Wie Sie coole Aufnahmen von Winterlandschaften machen

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Wenn es im Winter schneit und sich vielleicht sogar die erste Schneedecke bildet, gibt es viele Gründe die Kamera hervor zu holen und sich fotografisch dem weißen Gold zu widmen.

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Ein paar allgemeine Tipps

Bevor es hinaus in die Kälte geht, noch ein paar grundsätzliche Tipps zur Ausrüstung abseits der Kamera:

Denken Sie an warme Schuhe! Die Füße werden meist das erste Opfer der Kälte. Wer schon im Winter morgens in der Kälte gestanden ist und auf die richtige Aufnahmesituation gewartet hat, der wird diese Erfahrung bereits gemacht haben.

Auch die Hände sollten Sie nicht vernachlässigen. Da es je nach Kameramodell schwierig bis unmöglich werden kann, selbige mit Handschuhen zu bedienen, bieten sich spezielle Handschuhe mit wegklappbarem Fingerschutz an. Das macht die Bedienung der Kamera im Winter bei Kälte auf jeden Fall deutlich einfacher!

Was Hosen und Jacken betrifft wird vermutlich jeder seine eigenen Erfahrungen haben. Hauptsache warm, am besten nach Zwiebelprinzip und, falls viel Bewegung zu erwarten ist, auch atmungsaktiv. Denn verschwitzt in der Kälte zu stehen und auf das richtige Licht oder den richtigen Moment zu warten, kann durchaus erkältungsfördernd sein.

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Interessant können unter Umständen auch Schneeschuhe sein. Wer einmal probiert hat im Tiefschnee mit normalen Schuhen ein paar hundert Meter zu gehen, wird das Problem kennen. Es kann unglaublich anstrengend sein, ein paar Meter zu Fuß zu gehen.

Was man der Kamera Gutes tun kann

Nun zu den Dingen, die Sie Ihrer Kamera im Winter bei Schnee und Schneefall gönnen könnten und sollten. Ein Stativ mag ja stabil stehen, wenn es auf hartem Untergrund steht.  Ab einer bestimmten Höhe gehört Schnee, aber leider eindeutig nicht mehr zu den harten Untergründen und das Stativ wird zu einer eher wackligen Angelegenheit. Abhilfe können hier spezielle „Schneeschuhe“ für die Stativfüße bringen: Durch die größere Auflagefläche auf dem Schnee, steht das Stativ dann auch hier stabil.

Stativ-Schneeschuh ©Gitzo

Stativ-Schneeschuh ©Gitzo

Weil aber auch das stabilste Stativ den Fotos nicht hilft, wenn die Kameraakkus leer sind: Denken Sie immer daran, dass die Akkuleistung bei Kälte nachlässt. Abgesehen vom Akku in der Kamera, sollten Sie bei Kälte nach Möglichkeit alle Ersatzakkus in Körpernähe aufbewahren: z. B. in der Jackeninnentasche oder Hosentasche. Hauptsache nicht im kalten Fotorucksack.

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Obwohl inzwischen viele Kameras spritzwassergeschützt und auch Kameras ohne speziellen Schutz nicht gerade aus Zucker gebaut sind, sollte man ihnen allzu viel Nässe trotzdem nicht zumuten.

So empfiehlt es sich, im Winter immer ein Küchenhandtuch in den Fotorucksack zu packen. Damit lässt sich die Kamera einigermaßen flexibel vor allzu viel Nässe durch Schneeflocken schützen und zwischenzeitlich auch immer wieder mal abtrocknen. Natürlich gibt es aber auch verschiedene Möglichkeiten die Kamera komplett vor Nässe zu schützen: Regenschirme, die man am Stativ befestigen kann, Regenschutzhüllen für die Kamera und ähnliches.

Außerdem: Wenn es schneit kann eine Sonnenblende helfen die Frontlinse des Objektivs „sauber“ zu halten. Nichts ist ärgerlicher, als nach einem fotografisch ergiebigen Tag erst zu Hause zu bemerken, dass an immer der gleichen Stelle ein unscharfer Fleck auf den Fotos ist, entstanden durch eine langsam tauende Schneeflocke auf der Frontlinse des Objektivs oder dem Filter…

Vor dem Fotografieren noch ein paar technische Tipps

Nun sind Sie und die Kamera einigermaßen winterfest, und Sie können sich bald auf Motivsuche begeben. Vorab erhalten Sie aber noch ein paar technische Tipps:

Die Belichtungsmessung liegt bei schneebedeckter Umgebung häufig etwas daneben und die Kamera neigt zur Unterbelichtung. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie eine Belichtungskorrektur nach oben vornehmen. Überprüfen Sie dafür einfach nach den ersten Aufnahmen das Histogramm, ob die Fotos vielleicht etwas zu dunkel geraten sind und korrigieren Sie dann im Zweifelsfall die Belichtung für die weiteren Fotos.

Schnee muss nicht immer weiß sein! Je nach Lichtstimmung vor Ort, muss der Schnee auf dem Foto nicht unbedingt auf Weiß getrimmt werden. Gerade zur blauen Stunde darf er auch ruhig mal bläulich gefärbt sein. Bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang dagegen erscheint er auch manchmal in gelb, rot, rosa oder sonstigen Farbtönen, die ein Sonnenaufgang hervorbringen kann. (Anmerkung der Redaktion: Lesen Sie hierzu auch den Artikel “Der Reiz der blauen Stunde”)

Mit Hilfe einer Korrektur des Weißabgleichs können Sie die vor Ort herrschende Farbstimmung betonen. Bei kühler Stimmung hebt ein kühlerer Weißabgleich entsprechend die kühle Stimmung hervor, bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang unterstreicht ein etwas wärmerer Weißabgleich die vorherrschenden Rottöne. Besonders einfach – und in Bezug auf die Bildqualität verlustfrei – verändern lässt sich der Weißabgleich, wenn Sie Ihre Aufnahmen im RAW-Format machen und die Bearbeitung dann im RAW-Konverter Ihrer Wahl vornehmen.

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(links eher weißer Schnee, rechts etwas kühler abgestimmter Weißabgleich, für die Stimmung)

Motive

In einigen Regionen Europas finden wir im Winter tolle, schneebedeckte Landschaften, in anderen eher weniger. Dennoch bieten sich uns auch ohne oder mit wenig Schnee viele spannende Fotomotive, insbesondere wenn man genauer hinschaut.

Natur im Schneefall

Starker Schneefall beispielsweise bringt eine malerische Komponente in die Fotos. Der Schnee muss dabei nicht mal unbedingt liegen bleiben, aber er wirkt – je nach Intensität und Größe der Schneeflocken – wie Nebel oder Dunst.

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Natürlich gibt es unendlich viele Motive, die sich bei derartigen Aufnahmebedingungen anbieten. Besonders spannend sind an solchen Tagen Wasservögel am See, Waldränder und einzeln stehende Bäume. Je schwächer der Schneefall ist, desto mehr Brennweite sollte man verwenden. Durch die Verdichtung der Perspektive, die durch den Einsatz von Teleobjektiven entsteht, können Sie den Schneefall-Effekt auf den Fotos verstärken.

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Solche Fotos wirken am besten, wenn die Belichtungszeit kurz genug ist, um die Schneeflocken im Flug einzufrieren. Daher bietet es sich an, die Blende so weit zu öffnen, bis alles, was scharf sein soll noch im Schärfebereich liegt. Falls das Öffnen der Blende alleine nicht ausreicht oder nicht möglich ist, können Sie auch die ISO-Empfindlichkeit erhöhen. Einfach mal ausprobieren!

Schneebedeckte Details

Wenn genug Schnee liegt um den Boden komplett zu bedecken, dann wirken ganz gewöhnliche Details, wie zum Beispiel ein Maulwurfshügel, plötzlich interessant. Kleine Schattierungen im Schnee sorgen für plastische Fotos von ansonsten eher unscheinbaren Motiven. Es lohnt sich also auf jeden Fall den Blick auch mal in Richtung Boden zu wenden.

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Wechseln Sie in solchen Fällen auch mal die Aufnahmeperspektive. Was aus Kopfhöhe vielleicht noch langweilig wirkt, kann mit einem Positionswechsel in die Hocke plötzlich ganz anders aussehen. Es lohnt sich übrigens ganz allgemein die Aufnahmeposition in dieser Art zu wechseln. Häufiger als man annimmt, ist die beste Perspektive für eine Aufnahme nicht genau auf Kopfhöhe zu finden.

Schneeflocken, Reif- und Eis-Details

Wenn es einige Tage kalt war und die ersten Schneeflocken vom Himmel rieseln, bestehen gute Chancen, dass ein paar dieser perfekt geformten Schneeflocken liegen bleiben und nicht sofort wieder an- oder wegtauen. Nicht weniger interessant sind Reifkristalle, die sich nach kalten Nächten an diversen Oberflächen bilden und eine stattliche Größe erreichen können. Manchmal entstehen dabei richtige Wunderwelten im Kleinen. Die perfekte Gelegenheit also für ein paar winterliche Makroaufnahmen.

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Ein stabiles Stativ und ein Makroobjektiv vorausgesetzt, können Sie so faszinierende Detailaufnahmen machen. Am besten einfach möglichst nahe ran ans Motiv. Dabei sollten Sie aber aufpassen, dass Sie nicht zu viel Wärme direkt am Motiv verbreiten. Etwas zu warm ausgeatmet oder die – hoffentlich – warmen Hände zu nahe an das Objekt der Begierde gebracht und schon schmilzt das gute Stück langsam dahin.

Was die Aufnahme betrifft: Gerade im Makrobereich bietet es sich an, die Kamera möglichst erschütterungsfrei auszulösen. Verwenden Sie auf jeden Fall einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser. Bei einer Spiegelreflexkamera lohnt es sich auch die Spiegelvorauslösung zu nutzen. Dadurch werden Erschütterungen durch den Spiegelschlag verhindert, und das Foto wird insgesamt schärfer.

Gefrorenes Wasser

Auch wenn der Schnee mal nicht fällt und es Kahlfrost gibt, bestehen noch Chancen auf ein paar winterliche Impressionen. Gefrorenes Wasser ist nicht nur spannend wenn es vom Himmel fällt, sondern auch wenn es am Boden gefroren ist. Für Liebhaber der kleineren Motivwelten kann es sich absolut lohnen Pfützen, Seeufer und ähnliches genauer abzusuchen. Nicht selten können Sie dort hübsche, grafisch wirkende Eisstrukturen finden.

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Und wenn wir schon beim Wasser sind. Da gibt es ja auch noch Wasserfälle! Wenn es kalt genug ist bilden Wasserfälle von Zeit zu Zeit wahre Kunstwerke aus Eis und Wasser. Auch hier bieten sich Detailaufnahmen an. Um das fließende Wasser auch bei Tageslicht weicher wirken zu lassen, können Sie einen Graufilter verwenden. Dadurch wird die Belichtungszeit verlängert, und das Wasser wirkt auf dem Foto als ob es fließen würde. Falls der Wintertag sowieso schon eher düster und trüb ist, reicht es manchmal auch wenn Sie einfach die Blende weiter schließen.

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Egal ob weit geschlossene Blende oder Graufilter, ein Stativ sollten Sie bei dieser Art von Fotografie auf jeden Fall verwenden. Die Belichtungszeiten werden meistens zu lange sein, um aus der Hand scharfe Aufnahmen zu machen. Außerdem fällt es in der Regel vom Stativ aus leichter den richtigen Bildausschnitt zu wählen.

Schnee, Reif und Nebel im Wald

In den Mittelgebirgslagen gibt es noch häufiger die Chance die wunderbare Kombination aus Schnee, Reif und Nebel zu erleben. Wenn die passende Wetterlage aus Hochnebel und Frost eine Weile anhält, wandelt sich ein trister, laubloser Wald in eine verzauberte Wunderwelt aus Weiß.

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Der Nebel ist hier übrigens nicht nur wichtig, um den Wald mit Reif zu überziehen, er bringt zusätzlich das gewisse Etwas in die Fotos. Mit Nebel sieht der Wald nicht nur “aufgeräumter” aus, sondern es kommt durch die in der Ferne im Nebel verschwindenden Bäume auch eine besondere Tiefe ins Bild.

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Achten Sie bei Aufnahmen im Wald auch besonders auf die Gestaltung des Vordergrundes und wählen Sie die Aufnahmeposition und –perspektive danach aus. Häufig ist man von der herrschenden Stimmung so überwältigt, dass man dabei komplett vergisst, dass später auf dem Foto auch Nebensächlichkeiten, die man vor Ort gar nicht wahrgenommen hat, ablenken werden.

Auf den Punkt gebracht

Es gibt also auch im Winter in unseren Breiten viele Möglichkeiten zur Natur- und Landschaftsfotografie. Die hier beschriebenen Vorschläge bilden natürlich nur einen Bruchteil dessen ab, was möglich ist.

Hier noch mal unsere Tipps für einen gelungenen Fototrip im Winter im Überblick:

Kleidung:

  • Warmes Schuhwerk
  • Handschuhe mit wegklappbarem Fingerschutz
  • Warme Kleidung im Zwiebel-Prinzip
  • Schneeschuhe (bei Bedarf)

Ausrüstung:

  • Stativ
  • ggf. „Schneeschuhe“ für Stativ
  • Ersatz-Akkus warm halten
  • Küchenhandtuch
  • Regenschutz

Technik:

  • Belichtungskorrektur
  • Korrektur des Weißabgleichs
  • Selbst- / Fernauslöser (ggf. Anwendung der Spiegelvorauslösung)
  • Graufilter, z. B. für Fotografie von gefrorenen Wasserfällen
  • Augen auf, und los geht´s!

Gehen Sie einfach mit offenen Augen durch die Winterwelt. Nehmen Sie sich Zeit zum Fotografieren. Setzen Sie sich mit den technischen Grundlagen der Fotografie auseinander, aber verschwenden Sie nicht allzu viele Gedanken an die Kameratechnik selbst. Dann klappt es ganz von alleine.