Der Reiz der „blauen Stunde“

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Steg im Sonnenaufgang

So fotografieren Sie die blaue Stunde

Wer tolle Fotos machen möchte, sollte sich vor allem an den Tagesrandzeiten mit der Kamera auf Motivsuche begeben. Die Morgen- und Abendstunden eignen sich nicht nur hervorragend für Landschaftsaufnahmen, auch in der Stadt ist diese Tageszeit besonders reizvoll. Warum das so ist, und wie Sie dieses besondere Licht für Ihre Aufnahmen nutzen können, erfahren Sie hier.

Was ist die „blaue Stunde“?

Diesen Begriff haben Sie sicher schon einmal gehört oder gelesen. Wenn nicht, dann sollten Sie ihn als Fotograf/-in auf jeden Fall kennen. Manchmal wird die blaue Stunde mit der sogenannten „Goldenen Stunde“ verwechselt. Darunter versteht man die Zeit vor dem Sonnenuntergang und den Sonnenuntergang selbst oder morgens die Zeit kurz nach dem Sonnenaufgang. In der Goldenen Stunde leuchtet alles in warmen Farbtönen, Orange und Gelb sind die vorherrschenden Farben. Hauswände und andere Objekte reflektieren das Sonnenlicht, bei tief stehender Sonne entstehen Aufnahmen, die oft eine starke gelbliche oder orange Färbung aufweisen. Wie der Name schon sagt, gibt es in der „blauen Stunde“ überwiegend blaue Farbtöne. Das ist aber erst der Fall, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden oder noch nicht aufgegangen ist, also die Phase der Morgen- und Abenddämmerung. Der Himmel ist in dieser Zeit hell und vor allem abends leuchtet er intensiv blau. Diesen Zeitraum bezeichnet man als „blaue Stunde“.

Wann ist die blaue Stunde?

Je nach geografischer Lage und Jahreszeit dauert die blaue Stunde wenige Minuten bis hin zu mehreren Stunden. In Äquatornähe ist sie extrem kurz, je weiter nördlich oder südlich Sie sich auf der Erdkugel befinden, desto länger können Sie die Vorteile dieser Lichtsituation auskosten. Im Hochsommer müssen Sie auch in unseren Breitengraden lange aufbleiben. Beispiel Berlin: Mitte Juni geht die Sonne kurz nach halb zehn unter. Die blaue Stunde dauert dann ca. 50 Minuten. Morgens müssten Sie schon um 3:50 Uhr aufstehen, um den Beginn der blauen Stunde zu erleben.
Im äußersten Süden Spaniens (Gibraltar) dauert die blaue Stunde am gleichen Tag nur 30 Minuten. In Reyjkavík (Island) geht die Sonne erst um Mitternacht unter und um kurz vor drei wieder auf – hier dauert die blaue Stunde fast drei Stunden. So weit nördlich wird es also gar nicht dunkel.
Im Winter verkürzt sich die blaue Stunde in unseren Breitengraden auf etwa 30 Minuten, man hat also nicht viel Zeit, wenn man viele Motive fotografieren möchte. Im Herbst und Frühjahr beginnt die blaue Stunde relativ früh am Abend, im Winter sogar schon am Nachmittag. Man kann also viel leichter auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Nachhauseweg eine halbstündige Fotosession einplanen.

Brunnen auf dem Europaplatz in Aachen


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In der Blauen Stunde leuchtet der Himmel intensiv blau – auch an bedeckten Tagen ist dieser Effekt sichtbar. Die Helligkeit von Himmel und Umgebung sind jetzt annähernd gleich, was beim Fotografieren auch in technischer Hinsicht Vorteile bietet.

Sobald der Himmel schwarz erscheint, spricht man von Nachtfotografie. Der dunkle Himmel über dem Motiv ist eher unattraktiv, weil die warme Lichtfarbe keinen kühlen Kontrapunkt hat. In Großstädten reflektieren Wolken das gelbliche Licht, oft sehen auch die Motive am Boden verwaschen und farbstichig aus. Fotografieren Sie also, bevor das letzte zarte Dunkelblau verschwindet.

Verona Arena bei Nacht
Bei vollständig schwarzem Himmel kann man auch Nachtaufnahmen machen, doch der hohe Kontrast zwischen Himmel und beleuchteten Elementen sorgt oft für Belichtungsprobleme.

Die genauen Zeiten für die Blaue und die Goldene Stunde können Sie mit einem Dämmerungsrechner herausfinden. Einen sehr guten Überblick bietet z. B. diese Seite von JeKoPhoto

Der besondere Reiz

Am schönsten werden Ihre Aufnahmen, wenn sich ein wolkenloser Tag dem Ende zuneigt. Aber selbst an einem regnerischen oder bedeckten Tag leuchtet der Himmel noch eine ganze Weile in zarten Blau- oder Blaugrautönen.
Um den Effekt dieser besonderen Lichtsituation gestalterisch auszunutzen, sollte man im Bild den blauen Himmel natürlich sehen. Besonders reizvoll sind Aufnahmen am Wasser, wenn sich der Himmel auf der Wasseroberfläche spiegelt. Ideal ist es, wenn weitere farbige Lichtreflexionen hinzukommen. Ein erhöhter Aufnahmestandort ist in der blauen Stunde von Vorteil. Mit einer Weitwinkeloptik lassen sich Motive oft besonders gut fotografieren, doch Vorsicht, Verzeichnungen und stürzenden Linien sieht man bei Aufnahmen mit kurzen Brennweiten besonders deutlich.

Bei Motiven in der Stadt sorgt das Kunstlicht von Schaufenstern und Straßenlaternen für einen attraktiven Kalt-Warm- und Farbkontrast: Die Lichtquellen leuchten im warmen Farbspektrum, Himmel und Umgebung bilden mit kühlen Farbnoten einen Gegenpol. Weil Orange und Blau im Farbkreis direkt gegenüber liegen, entstehen ganz automatisch harmonische Farbkompositionen. Die Farben im Bild wirken in der blauen Stunde satter und intensiver als tagsüber.

Nachthimmel über Container Hafen
Der Farbkontrast von Orange und Blau ist ein Garant für schöne Bilder. Wasser und Spiegelungen im Vordergrund bringen mehr Leben ins Motiv.


Die Helligkeit von Himmel und Hauptmotiv ist etwa gleich, d. h. die Kamera hat weniger Probleme mit dem Kontrast von hellen und dunklen Bereichen. Schwierig wird es nur, wenn Sie bei Architektur- und Städteaufnahmen sehr helle Lichtquellen ins Bild integrieren, denn diese tendieren dazu, im Foto zu überstrahlen. Wie Sie mit diesem Problem umgehen, erfahren Sie weiter unten.

So schön das Licht in der Blauen Stunde auch sein mag, es hat einen massiven Nachteil: Es wird allmählich dunkel, die Belichtungszeit verlängert sich, und damit steigt die Verwacklungsgefahr von Minute zu Minute.

Die Kamera richtig einstellen

Einsteiger mit wenig Erfahrung können in der blauen Stunde auf Motivprogramme zurückgreifen. Suchen Sie unter Scene/BestShot nach dem Stichwort Dämmerung oder Sonnenuntergang. Auch die Vollautomatik kommt ganz gut mit der blauen Stunde zurecht. Sie erhöht automatisch den ISO-Wert, um Verwacklung zu vermeiden, aktiviert aber manchmal den Blitz und dann ist die Stimmung dahin. Darum ist es gut zu wissen, wie Sie Ihre Kamera selbst steuern können. Wechseln Sie als Umsteiger in den Modus P und nutzen Sie die ISO-Automatik.

Der Weißabgleich ist für JPG-Fotografen die wichtigste Kamerafunktion in der blauen Stunde. Diese Funktion ist dafür zuständig die fürs menschliche Auge kaum sichtbare Lichtfarbe zu korrigieren. Bei Sonnenlicht beträgt die Lichttemperatur ca. 5500 K (Kelvin), der Himmel hat tagsüber eine Lichttemperatur von 9000 -12.000 K. Tageslicht liegt bei ca. 6.500 K, bei bewölktem Himmel ist es etwas weniger. Die Lichtfarbe von Kunstlicht rangiert zwischen 2.500 K und 3.500 K – die Übergänge sind fließend, je nach Art der Lichtquelle.

Display mit Weißabgleich Einstellungen
Weißabgleich: Die Farbstimmung ändert sich, wenn Sie vom Automatischen Weißabgleich (AWB) zu einem anderen Symbol wechseln. Mit der Kelvin-Einstellung (K) ist die Steuerung noch feiner.

Wenn Sie in der Blauen Stunde ein urbanes Motiv mit Kunstlichtern fotografieren, herrscht sogenanntes „Mischlicht“, also eine Kombination von hohen und niedrigen Kelvin-Werten, die sich auf verschiedene Bereiche des Motivs verteilen. Die Kamera errechnet mit dem AWB (Automatischer Weißabgleich) einen Mittelwert, der womöglich weder das eine noch das andere optimal wiedergibt.
Beim Wechsel von AWB auf Kunstlicht erhält Ihr Foto in der blauen Stunde meist eine kühlere Farbnote. Es hängt aber stets vom Motiv ab, welche Weißabgleichseinstellung zu einem optimalen Ergebnis führt. Entscheidend ist das Verhältnis von warmen und kühlen Elementen, das sich je nach Bildausschnitt verändern kann. Oft ist die Farbnote auch eine Geschmacksfrage. Wechseln Sie zwischen verschiedenen Standardeinstellungen (Tageslicht, Kunstlicht, Bewölkt, Schatten) und beobachten Sie am Display, wie sich die Farben verändern. Mit der Einstellung K (Kelvin) können Sie die Balance zwischen dem warmen Kunstlicht und den kühlen Himmelstönen am feinsten steuern.

Weißabgleich Einstellungen
Das Rohdatenformat hält dem Fotografen alle Optionen offen. Sie müssen beim Fotografieren nichts korrigieren, nur später im RAW-Konverter den Regler so einstellen, wie es Ihnen am besten gefällt.

Auch bei einer Korrektur von Kontrasten haben Sie mit dem RAW-Bild deutlich mehr Spielraum.

Aus der Hand fotografieren

Wenn Sie in der blauen Stunde unterwegs sind, achten Sie auf die Belichtungszeit! Im Modus Tv/S können Sie die Zeit so kurz einstellen, dass Sie die Kamera verwacklungsfrei halten können, allerdings nicht beliebig: Stellt man 1/500 s oder 1/1000 s ein, kann die Kamera Blende und ISO-Wert nicht weit genug aufdrehen. Realistischer sind Belichtungszeiten zwischen 1/10 s und 1/125 s – je nach Helligkeit. Eine ruhige Hand ist immer nötig. Objektive mit Bildstabilisator erleichtern das Freihandfotografieren, Weitwinkelobjektive oder Optiken bis 50 mm ebenfalls. Für das Arbeiten mit Teleobjektiven brauchen Sie ein Stativ, oder zumindest eine Stabilisierung. Ein Einbeinstativ schützt zwar nicht absolut vor Verwacklung, aber es erleichtert das Arbeiten bei wenig Licht und Sie bleiben flexibel.

Auch wenn das Motiv auf dem Display gut aussieht, erkennt man in der 100% Vergrößerung die Schwächen der Freihandfotografie. Hinzu kommt, dass bewegte Motive schon bei 1/60 s verwischen. Schnell bewegte Objekte lassen sich auch mit 1/125 s nicht scharf abbilden. Machen Sie die Not zur Tugend: Wischeffekte mit 1/20 oder 1/15 s sehen oft ganz interessant aus. Für eindrucksvolle Langzeitbelichtungen mit Lichtspuren und für wirklich scharfe Fotos ist ein stabiles Dreibeinstativ unverzichtbar.

Der ISO-Wert ist Ihr Joker beim Fotografieren aus der Hand. Lassen Sie der Kamera genug Spielraum. Wer die ISO-Automatik fürchtet, weil ein hoher ISO-Wert zu stärkerem Bildrauschen führt, muss bei jeder neuen Aufnahmesituation entscheiden, ob die Kombination aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Einstellung für das Motiv passt. Das bedeutet viel Denk- und Entscheidungsarbeit. Weil die blaue Stunde nicht so lange dauert, sollten Sie sich das Leben nicht schwerer machen als nötig. Vertrauen Sie der ISO-Automatik und behalten Sie die Belichtungszeit im Auge. Vor allem aber: gestalten Sie Ihr Motiv!

Der Nachteil der Freihandfotografie besteht darin, dass Sie die Blende zugunsten einer kurzen Belichtungszeit weit öffnen müssen. Dadurch fällt die Schärfentiefezone eher gering aus, manchmal reicht sie nicht über das gesamte Motiv, und das kann sehr ärgerlich sein. Exaktes Fokussieren ist hier besonders wichtig, damit wenigstens Ihr Blickfang knackig scharf wird.
Lichtquellen werden bei offener Blende zu runden, oftmals diffusen Kreisen im Bild. Darum sollten Sie auf Straßenlaternen achten und eher weniger davon ins Bild nehmen. Belichten Sie das Motiv so knapp, dass die hellen Elemente nicht überstrahlen. Mit offener Blende kann man keinen Sterneffekt rund um Lampen erzeugen und keine durchgehenden Lichtspuren aufnehmen.

Opernhaus FrankfurtLeuchtturm nahe Kampen auf Sylt
Eine Aufnahme wie diese ist mit einer ruhigen Hand noch möglich. Passanten dürfen verwischen, aber das Gebäude muss scharf sein. Benutzen Sie ggf. ein Einbeinstativ oder legen Sie die Kamera auf.Nur mit Stativ möglich: Um einen Sterneffekt zu erzeugen und um die Schärfentiefezone auszudehnen, müssen Sie die Blende schließen. Die Folge ist eine lange Belichtungszeit, die aus der Hand nicht mehr zu halten ist.

Mit dem Stativ fotografieren

Das Arbeiten mit Stativ hat den Vorteil, dass Sie mit niedrigem ISO-Wert arbeiten können, und trotzdem scharfe Bilder erhalten. Die Belichtungszeiten verlängern sich, jede Aufnahme dauert mehrere Sekunden. Vorbeifahrende Fahrzeuge hinterlassen Spuren im Bild, die sich überlagern und Leben ins Motiv bringen. Passanten werden zu diffusen Schatten oder sind im Bild gar nicht mehr sichtbar.
Mit Stativ können Sie die Blende weiter schließen als bei der Freihandfotografie. Gerade bei Landschafts- und Architekturaufnahmen ist es wichtig, die Schärfentiefezone im Bild zu steuern. Ein angenehmer Nebeneffekt: Entfernte Lichter bekommen im Foto einen sternförmigen Leuchtkranz, je weiter Sie die Blende schließen.

Damit Ihre Fotos wirklich scharf werden, gelten die allgemein gültigen Regeln für das Arbeiten mit Stativ: Lassen Sie die Mittelsäule möglichst eingefahren, aktivieren Sie bei Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung und benutzen Sie einen Fern- oder den Selbstauslöser, um Vibrationen zu vermeiden. Der Bildstabilisator an Objektiv oder Kamera muss abgeschaltet werden.
Die Liveview-Funktion übernimmt die Spiegelvorauslösung, zieht aber viel Strom. Da Langzeitbelichtungen generell mehr Akkukapazität benötigen, sollten Sie einen Ersatzakku griffbereit haben. Wenn Sie nach der blauen Stunde noch weiter ziehen und Nachtaufnahmen machen wollen, ist eine Stirnlampe sinnvoll, damit Sie die Einstellknöpfe an der Kamera finden. Decken Sie den Sucher Ihrer Spiegelreflexkamera bei Langzeitbelichtungen ab, damit kein Streulicht eindringen kann. Vorsicht mit der Stirnlampe, die sollte während der Belichtung wieder ausgeschaltet werden.

Das Arbeiten mit dem Stativ hat den Nachteil, dass man viel Ausrüstung schleppen muss und mehr Zeit braucht, bis das Motiv im Kasten ist. Die Vorteile liegen aber klar auf der Hand: Sie haben mehr Sicherheit hinsichtlich Schärfe und Bildrauschen und Sie haben mehr Gestaltungsmöglichkeiten, weil Sie die Blende weiter schließen und länger belichten können.

Für beide Arbeitsmethoden gilt: Damit Sie möglichst wenig am Computer korrigieren müssen, ist es wichtig, von Anfang an ein optimal belichtetes Foto zu erhalten.

Schwierige Motive richtig belichten

Welcher Kameramodus am besten ist, hängt von Ihren Erfahrungen ab. Den Modus P benutze ich zwar gerne für die Freihandfotografie, aber stets mit Blick auf die angezeigten Werte und meist in Kombination mit einer Korrektur. Mit der Halbautomatik legen Sie entweder die Belichtungszeit (Tv/S) oder den Blendenwert (Av/A) fest, die Kamera kümmert sich um den Rest. Wer es wirklich genau haben will und mit Stativ arbeitet, wird den Modus M schätzen, vor allem bei Langzeitbelichtungen mit Stativ.

Dämmerung im historischen Zentrum FrankfurtSemperoper in Dresden in blauer Stunde
Kontraste bewältigen: Helle Lichtquellen im Bild sind eine Herausforderung für die Kamera.Belichtungsreihen, Kamerafunktionen wie Active D-Lighting oder HDR sind oft die Lösung für kontrastreiche Motive.

Egal welchen Modus Sie benutzen, vor jeder Aufnahme muss eine Belichtungsmessung erfolgen. Beim Antippen des Auslösers ermittelt die Kamera die Helligkeit des Motivs und zeigt die errechnete Kombination aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert im Sucher oder auf dem Display an. Ob diese Kombination für Ihr Motiv richtig ist, ist keine rein technische sondern auch eine gestalterische Frage.
• Längere Belichtungszeiten sorgen für mehr Lichtspuren im Bild, Passanten lösen sich auf, Bewegung kann nicht eingefroren werden.
• Höhere Blendenwerte sorgen für mehr Schärfentiefe, bei Lichtquellen entsteht eher ein Sterneffekt.
• Mehr ISO führt zu mehr Bildrauschen, verkürzt aber die Belichtungszeit und/oder erlaubt stärkeres Abblenden.

Für die Belichtungsmessung gibt es unterschiedliche Messmethoden. In der blauen Stunde bevorzugen die meisten Fotografen die Mehrfeldmessung, weil dabei alle Bereiche des Motivs zur Berechnung herangezogen werden. Machen Sie eine Testaufnahme: Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Bild zu dunkel oder zu hell ausfällt, können Sie in den Modi P, Tv/S und Av/A die Belichtungskorrektur einsetzen. Im Modus M funktioniert das nicht bei allen Kameramodellen, dort müssen Sie einen der Parameter (Zeit, Blende, ISO) ändern, um ein helleres oder dunkleres Bild zu erhalten.

Einstellungen zur Belichtungskorrektur
Um die Belichtungskorrektur zu aktivieren, drücken Sie bei den meisten Kameras den +/- Knopf an der Kamera und drehen am Einstellrad oder Sie benutzen die Pfeiltasten. Die Markierung rückt aus der Nullposition nach links oder rechts für ein dunkleres oder helleres Bild.
Die Funktion wird bei verschiedenen Kameraherstellern unterschiedlich aktiviert, in der Bedienungsanleitung lesen Sie nach, wie es bei Ihrem Modell funktioniert. Wenn die Aufnahmen fertig sind, stellen Sie den Pfeil zurück in die Mitte! Die Kamera setzt die Korrektur nicht automatisch zurück.

Die Belichtungskorrektur sorgt dafür, dass ein Foto insgesamt heller oder dunkler wird, aber einzelne überstrahlende Lichter bekommen Sie damit nicht in den Griff. Achten Sie auf das Histogramm oder aktivieren Sie die Überbelichtungswarnung an Ihrer Kamera. Sie zeigt Ihnen zu helle Bereiche an.
Wenn es problematische Lichtquellen im Motiv gibt, wechseln Sie zur Spotmessung. Eine Messung auf helle Lichtquellen macht das Foto sehr düster, wenn Sie einen dunkleren Bereich anmessen, wird das Foto oft zu hell. Sie müssen sich also an die optimale Belichtung herantasten. Funktionen wie Active D-Lighting oder HDR zur Kontrastanpassung helfen in solchen Situationen.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, fotografiert eine Belichtungsreihe (Bracketing). Dabei entstehen drei oder mehr Aufnahmen mit unterschiedlicher Helligkeit. Entweder suchen Sie sich anschließend die Aufnahme mit dem besten Ergebnis aus, oder Sie erstellen aus der Serie eine echte HDR-Aufnahme am Computer. Damit das klappt müssen Sie mit Stativ arbeiten und alle Bilder der Aufnahmereihe mit derselben Blendenstufe (z.B. f8) und manueller Scharfstellung machen.

Tipps für das Fotografieren in der blauen Stunde

Wenn Sie noch ganz am Anfang stehen und Ihre Kamera überhaupt nicht kennen, starten Sie mit dem Motivprogramm. Dort können Sie keine oder nur minimale Korrekturen vornehmen. Wenn Sie anfangen wollen in die Kamerasteuerung einzugreifen, wechseln Sie in den Modus P. Benutzen Sie unterschiedliche Einstellungen für den Weißabgleich und arbeiten Sie ggf. mit der Belichtungskorrektur. Es ist am einfachsten verwacklungsfreie Aufnahmen zu erhalten, so lange der Himmel noch hell ist, oder wenn es helle Elemente im Bild gibt.

Bereiten Sie sich auf die blaue Stunde vor: Wo gibt es schöne Motive? Suchen Sie diesen Ort rechtzeitig auf. Konzentrieren Sie sich auf einige wenige Motive. Hektisches Arbeiten unter Zeitdruck führt zu Fehlern bei der Gestaltung und man vergisst vielleicht auch, die Kamera optimal auf die wechselnden Motive einzustellen.

Beim Fotografieren in Straßenschluchten richtet sich der Blick nach oben. Das erzeugt unweigerlich stürzende Linien im Bild, vor allem mit Weitwinkeloptiken. Vermeiden können Sie das kaum. Ein erhöhter Aufnahmestandort ist in der blauen Stunde von Vorteil, nicht nur wegen der stürzenden Linien, sondern auch, weil Sie mehr vom Himmel ins Bild bekommen. Wenn Sie von unten nach oben fotografieren, überlegen Sie, wie Sie den Bildausschnitt so gestalten können, dass das Foto trotz stürzender Linien interessant aussieht. Manchmal ist eine Übertreibung besser als der verzweifelte Versuch, das Problem zu kaschieren: Halten Sie die Kamera schräg oder wählen Sie eine extreme Froschperspektive.

Nachtaufnahme mit beleuchtetem Kölner DomPotsdamer Platz in Berlin in Dämmerung
Gerade noch dunkelblau: Bei dieser Weitwinkelaufnahme sieht man deutlich, wie die Türme des Kölner Doms nach rechts kippen. Ein Effekt der Brennweite, den Sie vermeiden, wenn Sie mit 50 mm oder einem leichten Tele fotografieren.Gerade Türme, durchgezogene Lichtspuren: Mit Stativ und einer leichten Telebrennweite gelingen solche Aufnahmen. Sie müssen mindestens zehn Sekunden lang belichten, besser zwanzig oder dreißig, damit die Lichtspuren keine Lücken bekommen.

Tipps für die Motivsuche

• Der blaue Himmel sollte Teil Ihres Motivs sein.
• Beleuchtete oder spiegelnde Objekte im Vordergrund sorgen für Farbkontraste und bringen Leben ins Bild.
• Es sollte einen klaren Blickfang geben, den Sie nach den Regeln des goldenen Schnitts etwas außerhalb der Bildmitte platzieren können.
• Stellen Sie auf das Hauptmotiv scharf.
• Achten Sie auf störende Elemente und wählen Sie den Bildausschnitt so, dass ablenkende Details verdeckt sind oder außerhalb des Bildrahmens liegen.
• Suchen Sie sich einen Standort, bei dem Sie Architekturmotive möglichst frontal fotografieren können oder experimentieren Sie mit Extremperspektiven.
• Wenn Sie die Kamera ruhig halten und Passanten durchs Bild laufen, entsteht ein Wischeffekt, den Sie zur Gestaltung nutzen können.
• Nehmen Sie Lichtspuren an einem Ort auf, wo viele Fahrzeuge in kurzem Abstand zügig an der Kamera vorbeifahren. Stop-und-Go an Ampeln führt zu hellen Flecken oder unterbrochenen Spuren.

Abends bleibt der Himmel Richtung Westen am längsten hell. Fotografieren Sie Motive Richtung Osten zu Beginn der blauen Stunde. Für die anderen interessanten Dinge in der Gegenrichtung haben Sie etwas länger Zeit.

Die blaue Stunde ereignet sich jeden Tag zweimal. Sie können also immer wieder losziehen, Erfahrungen sammeln und Ihr fotografisches Glück genießen.


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