Panorama 1: Panorama richtig aufnehmen

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So fotografieren Sie Panoramen richtig!

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Stadt, Land oder Innenarchitektur: Für packende Panoramafotografie gibt es viele attraktive Motive. Lesen Sie hier, wie Sie Panoramen richtig aufnehmen – mit jeder Kamera, mit oder ohne Panoramafunktion.
Beim Panorama fotografieren Sie eine Szenerie abschnittweise, meist mehrere Bilder von links nach rechts. Dann werden die Aufnahmen so kombiniert, dass ein sehr breites, nahtloses Foto entsteht. Das lassen Sie dann ausdrucken und eventuell gleich rahmen oder aufziehen. Außerdem eignen sich Panoramen gut für simulierte Kameraschwenks in Videos.

Drei verschiedene Wege zu Panorama-Aufnahmen gibt es:

  • Sie fotografieren die Szene abschnittweise ohne jede Panoramafunktion der Kamera. Sie kombinieren die Bilder später am Computer.
  • Sie nutzen die Panoramafunktion Ihrer Kamera. Sie sorgt für gleichmäßige Belichtung und den jeweils geeigneten Bildausschnitt. Die Einzelbilder fügen Sie wieder am PC zusammen.
  • Sie nutzen die Panoramafunktion Ihrer Kamera nicht nur zum Fotografieren: Die Kamera fügt die Bilder gleich noch automatisch zu einem Breitwand-Panorama zusammen, Sie müssen also nicht mehr am PC arbeiten.

Panorama Bild Aufteilung

Diese fünf Einzelbilder für ein Panorama  entstanden ohne eine Panorama-Funktion in der Kamera. Alle Fotos: Heico Neumeyer

Mit oder ohne Automatik

Ob Sie eine dicke Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven nutzen oder eine kleine Kompakte, die in der Hosentasche verschwindet: Jedes Modell liefert faszinierende Panorama-Aufnahmen. Viele Kameras bieten zwar keine spezielle Panorama-Funktion oder die Panorama-Technik wirkt allzu. Das ist aber kein Problem: Fotografieren Sie das Panorama einfach so – das geht genauso gut.
Die Einzelbilder, die Sie aufnehmen, sollten sich um 20 bis 40 Prozent überlappen. Damit kann das Bildprogramm die Segmente später leicht nahtlos aneinander setzen (dieses Montieren heißt auch „Stitching“, wörtlich „Zusammennähen“, das Ergebnisbild wird auch als „Composite“ bezeichnet).
Kameras mit Panorama-Unterstützung zeigen spezielle Hilfslinien oder Teilbilder auf dem Monitor, mit denen gut überlappende Aufnahmen entstehen. Sie können aber auch übliche Gitterlinien einblenden oder Linien auf eine Monitorschutzfolie zeichnen; auch so lassen sich Panorama-Einzelbilder perfekt planen. Selbst ganz ohne Hilfslinien entstehen gut brauchbare Panoramabilder: Orientieren sich sich einfach an einem Baum rechts im Bild und beginnen Sie das nächste Foto genau bei diesem Baum.

Panorama Bild Fächer

Die Darstellung zeigt die Perspektivkorrektur und Überblendung am Computer. Die Ränder müssen noch zugeschnitten oder retuschiert werden.

Von Hand oder per Stativ

Natürlich ist es am besten, wenn die Kamera auf einem Stativ steht: Dann dreht sich die Kamera um die eigene Achse und nicht um die Achse des Fotografen. Die Bilder entstehen in einheitlicher Höhe und die Verwacklungsgefahr ist auch gebannt. Wichtig ist die richtige Kameraposition besonders in diesen Situationen:

  • wenn Motivteile nah an der Kamera sind

und

  • wenn Sie Blickwinkel von 180 bis 360 Grad erfassen

Spezialisten kaufen sogar besondere Panorama-Stativköpfe, auch Nodalpunktadapter genannt. Damit drehen Sie die Kamera in festgesetzten Winkeln, die perspektivischen Fehler bleiben gering. Mitunter schwenken sogar Monitore die Kameras weiter. Grundsätzlich sollte sich das Stativgewinde der Kamera direkt unter dem Objektiv befinden und nicht links oder rechts außen.
Aber wohlgemerkt: Sie können tolle, perfekte Panoramen einfach auch aus der Hand fotografieren. Denn selbst wenn die Bilder nicht gut zusammenpassen, wenn die Perspektiven nicht harmonieren und die Belichtung schwankt – aktuelle Computerprogramme montieren aus Ihren Einzelfotos immer noch vollautomatisch ein tolles Panorama.
Wenn Sie jedoch Panoramen aus der Hand fotografieren, achten Sie auf eines: Drehen Sie die Kamera um die Kameraachse, nicht um die Achse des Fotografen. Es hilft bei der Ausrichtung, wenn Sie die Kamera auf eine Mauer oder auf einen Zaunpfosten aufsetzen und dann die Panoramabilder aufnehmen.

Bild Stativkopf

Diese Stativköpfe der Firma Rollei eignen sich besonders für präzise Panoramafotografie. Fotos: Rollei

Einheitliche Belichtung

Bei allen Aufnahmen für ein Panorama sollten Sie die selben Belichtungswerte verwenden. So werden die Helligkeiten Ihres Motivs auf allen Bildern gleichmäßig umgesetzt. Wenn möglich, stellen Sie die Kamera auf manuelle Belichtung und justieren Blende, Zeit und ISO-Empfindlichkeit von Hand. Prüfen Sie vorab, welcher Lichtwert am besten zu den verschiedenen Motivabschnitten passt.
Fixieren Sie eventuell auch den Weißabgleich, also die Steuerung der Farbstimmung; bei Raw-Dateien erledigen Sie das auch nachträglich am Computer. Wenn Sie die Panoramatechnik Ihrer Kamera nutzen, werden in der Regel einheitliche Belichtungswerte eingestellt.
Aber auch wenn Sie vollautomatisch belichten und die Helligkeiten der Einzelbilder nicht übereinstimmen – meist entsteht am Ende doch ein tolles Panorama. Denn moderne Computerprogramme gleichen nicht nur Perspektivprobleme aus. Auch Helligkeitssprünge von Einzelbild zu Einzelbild werden so elegant geglättet, dass ein nahtloses Breitwandfoto entsteht.

Panorama Modus Bild

Diese Kamera hat eine Panoramahilfe: Die Bereiche, in denen sich die Einzelbilder links und rechts überlappen sollen, erscheinen auf der Monitorvorschau eingerahmt.

Wenn die Kamera das Panorama selbst montiert

Einige Kameras und Handys helfen nicht nur beim Fotografieren der Einzelbilder – sie montieren das Panorama auch gleich selbst zusammen. Besonders einfach geht das mit dem sogenannten Sweep-Panorama bei Sony-Kameras, auch iPhone-Handys oder Samsung-Handys können so etwas. Sie müssen also nicht mehr am PC arbeiten, höchstens Zuschneiden ist noch erforderlich.
Hier erhalten Sie oft gute Ergebnisse, allerdings ohne jede Kontrolle bei der Montage: Mitunter wirken direkt im Gerät montierte Panoramen verzerrt oder es gibt unschön harte Übergänge. Wer also perfekte Panoramen in eindrucksvollen Größen an die Wand hängen möchten, fährt mit selbst zusammengesetzten Ergebnissen oft besser als mit einem Fertigpanorama aus der Kamera.

Das richtige Motiv

Am besten lassen sich die Segmente eines Panoramas zusammenfügen, wenn sich nichts im Bild bewegt. Vermeiden Sie in der Regel deutlich erkennbare Fahrzeuge oder Personen in Bewegung, ebenso wie Wellen oder wogende Kornfelder.
Verwenden Sie Ansichten, bei denen man auf den ersten Blick den weiten Rundblick erkennt. Gibt es markante Details im Vordergrund, zum Beispiel Pflanzen oder ein rotes Boot, verstärkt das den Tiefe-Eindruck. Die Entfernung sollte zwar in der Regel auf Unendlich eingestellt sein; doch wenn der Vordergrund relativ scharf erscheinen soll, senken Sie den Blendenwert zum Beispiel auf 11 oder 16 (also nicht Blende 2,8 oder 4).
Natürlich gilt: Auch Panoramen mit beweglichen Motiven wie zum Beispiel Autos sind möglich. Sie erfordern aber mehr Arbeit bei der Nachbearbeitung am Computer. Genau um diese Panorama-Montage am PC geht es in unserem zweiten Beitrag. Dort erfahren Sie, wie Sie die Bildsegmente mit verschiedenen Programmen perfekt nahtlos zusammensetzen und für den Druck vorbereiten.

Landschaft Fokus Bild

Panoramen von weiten Landschaften wirken am besten, wenn Sie ein markantes Detail im Vordergrund haben wie dieses feuerrote Boot.

Übersicht bei der Aufnahme

Nicht jedes Einzelbild einer Panorama-Serie sieht gut aus. Manchmal werden darum Einzelbilder aus einer Panoramareihe irrtümlich gelöscht – der Fotograf hatte nicht rechtzeitig erkannt, dass die Aufnahme zu einer Serie gehört.
Nehmen Sie darum spezielle Gedächtnisstützen mit auf. Der einfachste Trick: Fotografieren Sie nach jeder Panorama-Serie Ihren Zeigefinger. So wissen Sie später, dass die zuvor fotografierten Bilder zusammengehören.
Noch mehr Orientierung verschafft der folgende Tipp:

  1. Bevor Sie die Panorama-Aufnahme beginnen, fotografieren Sie Ihren Zeigefinger.
  2. Jetzt folgt die Panorama-Serie.
  3. Fotografieren Sie gleich anschließend so viele Finger, wie Ihre Panorama-Serie Bilder hat.

Egal, in welcher Reihenfolge Sie die Aufnahmen später sichten – Sie erkennen generell den Anfang oder das Ende einer Panoramareihe und Sie wissen auch, wieviele Bilder dazu gehören müssen. Gut zu wissen auch: Kameras mit Panorama-Automatik vergeben oft spezielle Dateinamen für die einzelnen Segmente, aus denen Sie leicht erkennen können, welche Bilder in welcher Reihenfolge zusammengehören.

Panorama Serie Bild

Der Zeigefinger am Anfang markiert den Beginn der Panorama-Serie. Drei Finger am Schluss stehen für drei zusammengehörende Aufnahmen.

So entstehen Panoramen auch aus einem Einzelbild

Manchmal muss es gar kein Panorama aus mehreren Fotos sein: Brauchen Sie lediglich ein sehr breitformatiges Bild, dann fotografieren Sie mit Weitwinkel und schneiden die Aufnahme am Computer auf ein starkes Querformat zu. In vielen Kameras können Sie von vornherein das Seitenverhältnis 16:9 einstellen, wie bei HD-Fernsehern; das wirkt schon fast wie ein Panorama.
Auch ein Panorama, das aus nur einer Aufnahme entstand, lässt sich oft 100 Zentimeter oder breiter drucken. Nur wenn Sie deutlich breiter als einen Meter drucken wollen, montieren Sie besser mehrere Fotos zu einem Panorama – so kommen mehr Megapixel zusammen. Alle Details zur richtigen Bildauflösung finden Sie in unserem Beitrag.

Panorama-Serie in der Übersicht: