Versicherungen und Schutz gegen Kamera-Diebstahl

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Welche Versicherungen gibt es, und wie kann ich einen Kamera-Diebstahl gezielt verhindern?

Die Urlaubszeit naht, und vielleicht tragen auch Sie eine teure Kamera-Ausrüstung durch Großstädte und an schöne Strände. Darauf haben Diebe nur gewartet: Sie versuchen Ihre Kamera zu entwenden und womöglich schnell zu verkaufen. Erfahren Sie, was Sie gegen Kamera-Verlust tun können – mit dem richtigen Verhalten und mit der passenden Versicherung.

 

Diebe haben es auf Ihre Kamera abgesehen – schützen Sie sich mit einer Versicherung und mit dem richtigen Verhalten.

Diebe haben es auf Ihre Kamera abgesehen – schützen Sie sich mit einer Versicherung und mit dem richtigen Verhalten.

 

Eine Versicherung für Ihre Kameraausrüstung kann sich für Ausrüstungen über 1.500 Euro lohnen.

Achten Sie dabei aber auf diese Punkte:

Hausratversicherung: Kameras sind bei Hausratversicherungen zum Teil mit abgedeckt. Bei Verlust erstattet der Versicherer dann aber oft nur den Zeitwert oder einen Prozentanteil des Neupreises. Vorsicht: Hausratversicherungen gelten eventuell nicht außerhalb des Hotelzimmers und auf Campingplätzen gar nicht. Lesen Sie daher bei allen Versicherungstypen das Kleingedruckte.

Reisegepäckversicherung: Auch einige Reisegepäck-Versicherungen decken Kameras mit ab. Je nach Vertrag erhalten Sie aber nur die Hälfte der Versicherungssumme oder weniger. Auch hier legt der Versicherer vermutlich den Zeitwert und nicht den Neupreis zugrunde.

Kamera-Versicherung: Spezielle Kamera-Versicherungen zahlen Ihnen je nach Vertrag noch Jahre nach dem Kauf den Neuwert zurück. Eventuell lässt sich die Versicherungssumme an geänderte Ausrüstungen anpassen. Kamera-Versicherungen decken je nach Vereinbarung auch Schäden durch Akku, Wasser und Bedienfehler ab – umgekehrt ist Diebstahl möglicherweise nicht mitversichert. Nach Bedarf schließen Sie Versicherungen ab, die das ganze Jahr lang oder nur einige Monate pro Jahr gelten. HIER finden Sie eine Übersicht zu fünf Kamera-Versicherungen, und HIER als Beispiel die detaillierte Preisliste der Firma Aktivas.

Selbstbeteiligung: Häufig wird der Schaden nicht vollständig ersetzt. Ein Beispiel: Die Versicherung für eine 3.000-Euro-Ausrüstung kostet im Jahr rund 89 Euro. Bei jedem Schadensfall zahlen Sie die ersten 75 Euro selbst.

 

Prüfen Sie also zunächst, ob eine vorhandene Hausrat- oder Reisegepäckversicherung Ihr Fotogerät bereits ausreichend schützt. Anschließend lohnt sich ein Vergleich verschiedener Kamera-Versicherungen. Im Kleingedruckten erfahren Sie, ob Diebstahl versichert ist. Fotoclubs bieten per Sammelvertrag eventuell verbilligte Versicherungen.

 

Kamera-Versicherung

Ausschnitt aus Formular für Kamera-Versicherung

 

 

Kamera-Schadensmeldung

Ausschnitt aus Formular zur Schadensmeldung

 

 

So finden Sie die Seriennummer

Je nach Versicherung nennen Sie die Seriennummern und Bezeichnungen Ihrer Kameras und Objektive schon bei Vertragsabschluss. Spätestens im Schadensfall sollten Sie die Nummern und Produktnamen zur Hand haben. Bei Objektiven sind die Seriennummern eventuell eingraviert, bei Kameras vielleicht nur auf einem Aufkleber aufgedruckt. Vorsicht: Solche aufgedruckten Nummern können ausbleichen oder verwischen.

 

Sie finden die Kamera-Seriennummer manchmal auch an versteckten Stellen wie im Batterieschacht oder unter einem Klappmonitor. Zudem sollte die Seriennummer auch in der Rechnung stehen, eventuell auch in den E-Mails rund um einen Kauf im Internet.

 

Die eingravierte Seriennummer des Objektivs ist gut erkennbar, doch die ins weiße Feld gedruckte Kamera-Seriennummer erscheint bereits unleserlich.

Die eingravierte Seriennummer des Objektivs ist gut erkennbar, doch die ins weiße Feld gedruckte Kamera-Seriennummer erscheint bereits unleserlich.

 

Auch wenn es es nicht verlangt wird, empfehlen wir: Fotografieren Sie Ihre Ausrüstung vor der Reise mehrfach in sehr klaren Bildern vor weißem Hintergrund, am besten gemeinsam mit der Rechnung. Produzieren Sie auch Nahaufnahmen, die Seriennummer und Bezeichnung der Fotoprodukte deutlich zeigen. Zwar fragt der Versicherer vorab nicht nach solchen Bildern – im Schadensfall wirken solche Aufnahmen aber sehr nützlich gegenüber Polizei und Versicherer.

Speichern Sie die Fotos von Ausrüstung und Rechnungen nicht nur auf einer Festplatte, sondern auch auf Ihrem Handy und bei einem Onlinedienst. Damit besteht weniger Verlustgefahr, und bei einer Schadensmeldung lassen sich die Fotos leicht vorzeigen und mailen.

 

Seriennummern von Kamera und Objektiv

Fotografieren Sie Ihre Ausrüstung, und notieren Sie sich alle Seriennummern

 

Lesen Sie die Seriennummer direkt aus den Bilddateien ab

Die Kamera ist weg, und Sie haben die Seriennummer nicht? Oder die Seriennummer wurde schlecht aufgedruckt und ist bereits verwischt oder verblasst? Vielleicht fehlt Ihnen sogar der genaue Kamera-Name?

 

Mit etwas Glück lesen Sie Bezeichnung und Seriennummer von Kamera und Objektiven noch aus vorhandenen Bilddateien ab. Denn Digitalkameras speichern sämtliche Informationen in den sogenannten Exif-Daten, oft direkt innerhalb der Bilddateien. Viele Computerprogramme zeigen Ihnen diese Exif-Informationen an. Allerdings erscheinen die Angaben selten vollständig; speziell die Seriennummern von Kamera und Objektiv fehlen manchmal.

 

Gute Erfahrungen haben wir jedoch mit dem Programm XnView MP gemacht. Es verrät oft den Hersteller und die Seriennummer zu einem Bild. Das Programm können Sie für Mac- und Windows-Computer kostenlos unter xnview.com/de/ herunterladen.

 

So fahnden Sie nach den Angaben:
1. Klicken Sie im Bildkatalog von XnView MP einmal auf ein einzelnes Foto, das mit der vermissten Kamera und mit dem vermissten Objektiv entstand. Wählen Sie möglichst eine Aufnahme, die im JPG-Dateiformat entstand und die Sie in keiner Weise bearbeitet haben.

2. Suchen Sie den „Info“-Bereich links unten im Programmfenster. Dort klicken Sie auf das Register „ExifTool“. Falls Sie diesen „Info“-Bereich nicht sehen, wählen Sie „Ansicht, Info-Bereich, Anzeigen“.

3. Gehen Sie innerhalb des „ExifTool“-Registers zur Überschrift „MakerNotes“. Hier finden Sie die Zeilen „Serial Number“ für die Seriennummer der Kamera und „Lens Serial Number“ für die Seriennummer des Objektivs. Auch die genauen Namen von Kamera und Objektiv erscheinen dort.
Interessant in diesem Zusammenhang: Bilddateien auf Internetseiten enthalten eventuell noch die Serien-Nummer, die Sie dann auslesen können, zum Beispiel auf der Fotoseite Flickr.com. Daraus folgt: Veröffentlicht ein Dieb Fotos aus Ihrer Kamera, können Sie die Internetseite und damit eventuell den Täter aufspüren. Manche Internetseiten entfernen jedoch alle Kamera-Informationen aus den Bilddateien.

 

Zwar gibt es einige Webseiten, die speziell nach Kamera-Seriennummern im Netz suchen, so etwa Cameratrace.com, Lenstag.net, Kameranet.de und Stolencamerafinder.com; doch in unseren Tests versagten sie oder verweigerten den Dienst im EU-Gebiet. Auch bleibt die Privatsphäre teils nicht gewahrt, oder Sie werden vorab zur Kasse gebeten.

 

Aber starten Sie zumindest eine Google-Suche nach der Kamera-Seriennummer. Die erste Suche zeigt vielleicht nur wenige Fundstellen. Um mehr Treffer zu erhalten, klicken Sie unter dem ersten Google-Ergebnis noch auf „Suche unter Einbeziehung der übersprungenen Ergebnisse wiederholen“. Vielleicht finden Sie online unbekannte Bilder, die Rückschlüsse auf den Verbleib Ihrer Kamera ermöglichen.

 

XnView MP

Das Programm XnView MP meldet Seriennummer und Bezeichnung von Kamera und Objektiv.

 

 

Was passiert im Schadensfall?

Ihre Kamera wurde auf Reisen gestohlen? Gehen Sie sofort zur nächsten Polizeistation und melden Sie den Diebstahl. Zeigen Sie den Beamten alle Unterlagen, die Sie haben – vor allem Rechnungen und Fotos Ihrer Ausrüstung. Lassen Sie sich das Polizeiformular geben, das Ihnen den Diebstahl bestätigt.
Achtung: Prüfen Sie sofort bei der Polizei, dass das Formular einen „Diebstahl“ und nicht bloß einen „Verlust“ ausweist. Das Formular sollte auch ein Aktenzeichen nennen.

 

Diese Diebstahl-Meldung, einen Bericht vom Hergang und eine Liste der vermissten Geräte schicken Sie an Ihre Versicherung. Sie brauchen auch Ihre Versicherungsnummer, Ihre Bankverbindung und das polizeiliche Aktenzeichen. Oft gibt es für diese sogenannte Schadensanzeige ein bequemes Internetformular.

 

Manche Diebe verkaufen Gestohlenes blitzschnell über Gebraucht-Plattformen wie Ebay. Suchen Sie also eventuell Angebote für Ihre vermisste Ausrüstung. Prüfen Sie dann, ob Sie auf den Produkt-Abbildungen im Netz typische Merkmale wiedererkennen, wie zum Beispiel Kratzer am Gerät. Wenn Sie etwas entdecken, gehen Sie schnell zur Polizei.

 

Die Firma Pacsafe bietet stahlverstärkte Gurte und Taschen sowie versenkbare und verriegelbare Reißverschluss-Schieber.

Die Firma Pacsafe bietet stahlverstärkte Gurte und Taschen sowie versenkbare und verriegelbare Reißverschluss-Schieber.

 

 

Schützen Sie Ihre Kamera vor Dieben

Selbst wenn Sie gut versichert sind – locken Sie unterwegs nicht unnötig Diebe an: Wir empfehlen, die Kamera nicht offen zu tragen, sondern in einer Schultertasche. Dabei liegt der Riemen diagonal über dem Oberkörper, die Tasche hängt vor Ihnen und nicht auf dem Rücken. Die Tasche sollte möglichst nicht nach Kameratasche aussehen und keine teuren Markennamen zeigen. Fotografen verwenden in Großstädten sogar oftmals irgendwelche Billigtaschen, weil diese weniger wertvoll wirken.

 

Einige Taschen bieten stahlverstärkte Gurte und Böden sowie versenkbare und verriegelbare Reißverschluss-Schieber – das erschwert Dieben auf der Straße die Arbeit. Besonders geschützte Taschen stellt zum Beispiel die Firma Pacsafe her. Deren Kamerataschen und -rucksäcke wirken durch ihr neutral-schwarzes Außenmaterial zudem besonders unauffällig.

 

Damit Ihnen die Kamera nicht entrissen wird, legen Sie beim Fotografieren auf belebten Plätzen am besten den Kamera-Gurt oder die Handschlaufe um. Verhalten Sie sich unauffällig und packen Sie die Kamera baldmöglichst wieder ein.