Sternenfotografie – So entsteht ein atemberaubendes Foto des Nachthimmels

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Es ist angenehm warm draußen, Sie haben ein Glas Wein in Ihrer Hand und über Ihnen funkeln Millionen von Sternen. Was für eine Sommernacht! Wie gern würde man diesen Moment für immer festhalten!

Ein sommerlicher Nachthimmel mit unzähligen Sternen kann sehr beeindruckend sein und hat etwas absolut Faszinierendes. Leider lässt er sich nicht mal eben z.B. mit dem Smartphone ablichten. Sternenfotografie ist mehr als nur „schnell ein Foto schießen“.

 

Sternenfotografie Hütte in Neuseeland

Hütte auf der Nordinsel Neuseelands

 

Ein Foto vom Sternenhimmel zu machen ist nicht so einfach. Das merken Sie beispielsweise, wenn Sie versuchen, diesen mit Ihrer Kamera im Automatik-Modus fotografieren. Das Foto wird zu dunkel, und kaum ein Stern wird darauf sichtbar sein. Deswegen muss allerdings nicht gleich eine neue Fotoausrüstung her. Ihre Kamera kann durchaus mehr als in der Automatik-Funktion möglich ist. Das herauszufinden und tolle Fotos vom Nachthimmel zu machen kann sehr viel Spaß bereiten.

Mit ein paar Kenntnissen und der richtigen Ausrüstung lässt sich dieser Sommernachtstraum für immer festhalten. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie ein atemberaubendes Foto des Nachthimmels erstellen und nebenbei Ihre Kamera richtig kennenlernen.

 

Welche Kameraausrüstung ist für Sternenfotografie notwendig?

Für Sternenfotografie benötigen Sie keine teure Kameraausrüstung und auch nicht zwingend eine Spiegelreflexkamera. Heutzutage sind manche Kompaktkameras teilweise sogar besser geeignet als große digitale Spiegelreflexkameras (DSLR-Kameras) mit Kit-Objektiv. Das ist das Objektiv, das beim Kauf in der Grundausstattung (Kit) enthalten ist. Letztere sind zwar relativ günstig, allerdings weniger gut für Sternenfotos geeignet.

 

Die Milchstraße und eine Galaxie rechts oben

Die Milchstraße und eine Galaxie rechts oben

 

Das Objektiv

Wichtig ist in erster Linie das Objektiv. Bei hochwertigen Kompaktkameras sind diese fest integriert und optimal auf den jeweiligen Bildsensor ausgelegt.

Bei Systemkameras und DSLR Kameras sollten Sie darauf achten, dass das verwendete Objektiv eine Blendenzahl kleiner als 2.0 unterstützt. Diese ist i.d.R. auf dem Objektiv beispielsweise mit der Bezeichnung 1:2 oder 1:1,4 erkennbar. Je kleiner diese Zahl ist, desto mehr Licht kann durch das Objektiv in die Kamera fallen. Es ist dann besonders lichtstark. Zu empfehlen sind besonders Festbrennweiten-Objektive. Diese besitzen zwar keinen optischen Zoom, liefern allerdings die besten Resultate. Für Sternenfotografie benötigen Sie keinen Zoom, es sei denn Sie wollen sich einzelnen Himmelsobjekte genauer ansehen.

 

Der Bildsensor

Das zweitwichtigste Kriterium ist die Größe des Bildsensors einer Kamera. Dieser sollte in der Theorie so groß wie möglich sein, um mehr Licht aufnehmen zu können. Praktisch gesehen bedingt ein großer Bildsensor allerdings eine große Kamera und ein großes Objektiv, das in der Regel mit einem höheren Budget einhergeht.

Es gilt hier also einen Kompromiss zwischen Kameragröße und Budget zu finden. Profis nutzen oft sogenannte Vollformat-Kameras, ambitionierte Hobby-Fotografen hingegen setzten meist auf das kleinere APS-C Format oder auf das 1 Zoll Format, das häufig in hochwertigen Kompaktkameras genutzt wird. Ich selbst arbeite ausschließlich mit einer Sony RX100 Kompaktkamera, die zu den letzteren gehört. Damit konnte ich bereits die Milchstraße und sogar einzelne Galaxien fotografieren.

 

Die Milchstraße außerhalb von Christchurch

Die Milchstraße außerhalb von Christchurch

 

Bei Kameras mit Wechselobjektiven sollten Sie sich lieber eine Kombination aus günstiger Kamera und gutem Objektiv anschaffen, als andersherum.

 

Welche Einstellungen sind für Sternenfotos wichtig

An erster Stelle sollte Ihre Kamera den manuellen Modus besitzen. Damit übernehmen Sie selbst die Einstellungen von Belichtungszeit und Blendenöffnung. Aber welche Einstellungen sind die richtigen? Das ist viel einfacher als gedacht:

Stellen Sie eine Belichtungszeit zwischen 15 und 30 Sekunden ein. Damit erhalten Sie in der Regel ein gutes Resultat, wenn die Nacht nicht von Laternen oder anderen Lichtquellen gestört ist. Suchen Sie sich daher einen Platz ungestört von Lichtquellen, am besten außerhalb von Städten.

 

Mitternacht mit Blick auf den Mt. Cook in Neuseeland

Mitternacht mit Blick auf den Mt. Cook in Neuseeland

 

Die Blende wird auf den kleinstmöglichen Wert eingestellt um sicherzustellen, dass ein lichtstarkes Objektiv auch entsprechend genutzt wird.

Zu guter Letzt, sollten Sie die ISO-Automatik deaktivieren, da die meisten Kameras unnötig hohe Werte automatisch einstellen. Starten Sie am besten mit einer ISO Zahl von 800 und erhöhen den Wert schrittweise, wenn das Sternenfoto zu dunkel sein sollte. Je höher die ISO Zahl ist, desto mehr Sterne sind sichtbar und desto mehr Bildrauschen wird sichtbar.

Bildrauschen ist unerwünscht und reduziert die Bildqualität. Dieses lässt sich allerdings im begrenzten Maße in der Kamera bzw. mit Software am Computer reduzieren. Die maximale ISO Zahl ist abhängig von der Kamera. Wo manche Kameras bei 6.400 aufhören, gibt es andere, die bis 409.600 gehen. Denn das Rauschverhalten einer Kamera hängt prinzipiell mit der Größe des Bildsensors ab. Je größer dieser ist, desto weniger störendes Rauschen ist selbst bei hohen ISO Werten sichtbar.

 

So entsteht ein atemberaubendes Foto des Nachthimmels

Im Gegensatz zu Fotos bei Tag sind für Sternenfotos sehr lange Belichtungszeiten nötig. Das bedeutet auch, dass Fotos, die aus der Hand heraus fotografiert werden, unscharf sind. Deswegen ist ein stabiler Stand der Kamera ganz wichtig.

Ein Stativ ist hier das wesentliche Zubehör, egal ob ein handlicher Gorilla-Pod oder ein Dreibeinstativ. Stellen Sie das Stativ immer auf einen festen Untergrund. Ursachen für unscharfe Fotos können z.B. Brücken sein, die leicht schwingen, starker Wind kann die Kamera in Bewegung versetzen oder das Stativ versinkt langsam auf Sandboden bzw. im Schnee.

Auch beim Drücken des Auslösers können winzige Bewegungen zu unscharfen Fotos führen. Deswegen sollten Sie eine Fernbedienung passend zu Ihrer Kamera nutzen. Diese kann per Kabel, per Infrarot bzw. Funk an die Kamera angeschlossen sein oder über eine Smartphone App funktionieren. Sollte Ihre Kamera keine dieser Möglichkeiten bieten, können Sie den Selbstauslöser nutzen, den jede Kamera besitzt. Einige Modelle haben speziell für solche Zwecke einen Selbstauslöser von 2 oder 3 Sekunden.

 

Tipps und Tricks speziell für Sternenfotografie

Wie Sie ein atemberaubendes Foto vom Sternenhimmel aufnehmen, haben Sie bereits erfahren. Damit Sie schneller zu einem tollen Ergebnisse kommen ohne viel Zeit mit Ausprobieren zu verschwenden, möchten wir Ihnen noch ein paar Tipps und Tricks verraten.

 

Sternspuraufnahme mit 20 Minuten Belichtungszeit

Sternspuraufnahme mit 20 Minuten Belichtungszeit

 

1. Belichtungszeiten länger als 30 Sekunden sind nicht zu empfehlen, weil Sterne zu Sternspuren verwischen. Diese entstehen durch die Rotation der Erde. Der Sternspuren-Effekt wird erst bei sehr langen Belichtungszeiten von 10 bis 20 Minuten interessant.

 

2. Nutzen Sie nie einen optischen Zoom, da dieser in der Regel zu einer höheren Blendenzahl führt. Das reduziert die Lichtmenge, die in die Kamera fällt. Auszugleichen ist das nur mit einer längeren Belichtungszeit (Sternspuren) oder einer höheren ISO Zahl (mehr unerwünschtes Rauschen).

 

3. Schalten Sie die Rauschreduktion der Kamera an. Diese finden Sie im Kameramenü z.B. als „Langzeit RM“ oder „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung“. Diese Funktion reduziert meist sehr wirksam Rauschen ab Belichtungszeiten von ca. 1/2 Sekunde und länger. Allerdings benötigen die meisten Kameras nach der Aufnahme eine Bearbeitungszeit, die genauso lang dauert wie die Belichtungszeit.

 

4. Die Erhöhung der ISO Zahl um einen Schritt (z.B. von 800 auf 1.600) erlaubt eine halb so lange Belichtungszeit. Mit anderen Worten: Sollten Sie ein gut belichtetes Foto mit 60 Sekunden Belichtungszeit gemacht haben, sehen allerdings Sternspuren, dann können Sie mit der doppelten ISO Zahl die Belichtungszeit auf 30 Sekunden reduzieren.

 

5. Nutzen Sie, wenn möglich, das RAW Bildformat. Alle Bildinformationen bleiben erhalten und werden nicht wie bei dem JPG Format zugunsten der Dateigröße verlustbehaftet dezimiert. Die Qualität der Fotos bleibt erhalten und lässt sich am Computer sogar noch etwas verbessern.

 

6. Wer auf den Geschmack gekommen ist, dem empfiehlt sich eine Sternenkarte z.B. als Smartphone App, um schnell die Milchstraße am Sternenhimmel ausfindig zu machen oder herauszufinden welches Sternbild am Nachthimmel zu sehen ist.

 

Viel Spaß in der nächsten schönen Sommernacht und gutes Gelingen mit Ihrer Kamera!