Hochzeitsfotografie – Wie geht das eigentlich?

Hochzeitsfotografie Tipps: Vor dem Altar

8 Minuten Ø Lesezeit

Dieser Artikel ist der Auftakt unserer kleinen Serie „Hochzeitsfotografie“. Lesen Sie, wie Ihnen die schönsten Hochzeitsfotos gelingen und holen Sie sich Hochzeitsfotografie Tipps. Planen Sie den Tag gemeinsam mit dem Brautpaar, erstellen Sie Ihren „roten Faden“ mithilfe einer Check-Liste und holen Sie sich interessante Tipps zu Ihrer Fotoausrüstung.

In den weiteren Artikeln erfahren Sie zum einen, was eine Hochzeits-Reportage ist, und wie sie dabei vorgehen. Zum anderen geht es um „Hochzeitsfotos in Innenräumen“ und „Hochzeitsfotos: Ideen für draußen “ sowie um „Hochzeitsbilder bearbeiten„.

 

So leicht wird man Hochzeitsfotograf

Der Tag ist gekommen: Sie haben Ihre schöne Fotoausrüstung bei der letzten Firmenfeier mal so richtig in Wallung gebracht, alle Kolleginnen und Kollegen sind begeistert von der Ideenfülle, dem Bildlook und dem Detail-Reichtum, den Sie an den Tag legen konnten. Und nun kommt die junge Kollegin, die dieses Fest organisiert hat, zu Ihnen und stellt die Fragen der Fragen: „Willst Du mich heiraten?“ Halt Stopp! Aufwachen!

Mann liegt auf Sofa und träumt

 

Jetzt aber: Sie sagt „Du hast auf der Feier so schöne Bilder geschossen. Magst Du im Juni unsere Hochzeitsfotos machen?“ Zack. Das sitzt. Zuckerbrot & Peitsche. Verlockung und Verdammnis. „Hätte ich doch bloß nicht…“ denken Sie noch, während Ihr Mundwerk bereits einen Schritt weiter ist und der Dame zusagt – Details wollen Sie noch besprechen.

Und nun? Ruhig Blut – eine gute Vorbereitung, die Sicherheit bei der Bedienung Ihrer Ausrüstung und Spaß im Umgang mit Menschen sind für Sie als Hochzeitsfotograf schon die halbe Miete.

So eine Hochzeit passiert nicht ungeplant und spontan, also haben wir die Chance, ebenfalls aus unserer Sicht als Hochzeitsfotograf zu planen, und dabei wird nichts vergessen. Am Tag selber verlassen Sie sich auf Ihren Blick und Ihre Intuition, aber was Sie vorher erledigen können, das machen Sie.

 


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Hochzeitsfotografie Tipps: Hochzeitsbild des Paares

Hochzeitsfotografie: Tipps zur Vorab-Planung per Checkliste

Schnappen Sie sich eine Checkliste mit vielen Ereignissen und Details, die am Hochzeitstag und im Vorfeld auftreten können, beispielsweise diese hier. Anhand dieser Liste können Sie den Tag schon vor dem ersten konkreten Gespräch in Ruhe gedanklich durchgehen.

Hochzeitsfotografie Tipps: Checkliste für Hochzeitsfotograf

Hier können Sie sich die Checkliste herunterladen:  Download der Infografik

Das Treffen mit dem Brautpaar

Sie verabreden sich mit dem Brautpaar. Falls Sie dem Bräutigam noch nicht vorgestellt wurden, bietet sich hier die Gelegenheit. Falls Sie das Paar schon als Ganzes kennen, haben Sie nun die Chance, den großen Tag in Ruhe aus Ihrer Sicht zu planen. Wichtig ist dabei, sich in einer angenehmen, ruhigen Atmosphäre zu treffen, beispielsweise am Ecktisch im Restaurant oder Café. Dabei werden Sie feststellen, ob Sie sich gut verstehen. Denn, das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für gute Hochzeitsbilder überhaupt: Wenn es im Umgang mit dem Brautpaar oder auch nur einer Hälfte davon hakt, kann es schwierig werden.

Hören Sie auf Ihren Bauch, verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Wichtig ist ein vertrauensvoller Umgang, deswegen geschieht es häufig, dass man sich schon nach dem ersten Handschlag das „Du“ anbietet. Bei diesem Kennenlernen hilft Ihnen bereits die Hochzeits-Checkliste, um sich an einem roten Faden entlang durch die wichtigsten Themen zu bewegen.

 

Auf einem Tisch steht ein Tablett mit Cappuchino und daneben liegt das Notizbuch des Hochzeitsfotografen

 

Die Hochzeits-Checkliste ist Ihr roter Faden

Lassen Sie uns auf ein paar Punkte dieser Liste näher eingehen:

Neben den Fakten (Namen, Adressen, Datum etc.) gilt es natürlich herauszufinden, was das Brautpaar möchte, und ob es vielleicht noch gar nicht weiß, was es für seine späteren Hochzeitsbilder alles mögen wird! Ich will hinaus auf die Art des Fotoauftrags: Manchmal sind sich Paare gar nicht bewusst, dass es mehr als die klassischen Hochzeitsfotos-Ideen ihrer Eltern gibt, also Standesamt, Kirche, Gruppenbilder und fertig.

Schwer en vogue sind die Hochzeitsreportagen, auf die wir im Teil II unserer Serie näher eingehen. Bei einer Hochzeitsreportage dokumentieren Sie den Tag des Eheschlusses im wahrsten Wortsinn wie eine Reportage, ohne sich als Fotograf in den Vordergrund zu drängeln.

Blick auf die Kamera eines Hochzeitsfotografen

Auf jeden Fall lernen Sie bei diesem Gespräch die Vorstellungen Ihrer Kollegin und ihres Künftigen kennen.

In Ihrer Checkliste notieren Sie sich neben den Adressen auch noch die Fahrtzeiten zwischen den verschiedenen Örtlichkeiten. Es kommt selten vor, dass sich alles an einem Ort abspielt. Planen Sie hier genügend Zeitpuffer für Staus ein. Wenn Sie sich unsicher sind, fahren Sie die Strecke zuvor ab und stoppen grob die Zeit. Findet die Hochzeit möglicherweise an beliebten Ausflugsstrecken statt (z.B. Tegernsee)? Dann wird es besonders an Wochenenden schwierig.

Ein Helfer kann Ihnen am Tag der Hochzeit nicht nur mal einen Reflektor halten oder ein Objektiv anreichen. Er oder sie ist auch in der Lage, das Equipment zu sammeln und bereits ins Auto zu verladen, während Sie noch fleißig Hochzeitsfotos schießen. Denn: Begibt sich das Brautpaar bereits ins Auto oder in die Kutsche und rauscht davon, während Sie noch Ihre Ausrüstung zusammensuchen müssen, wird es schwierig.

Hochzeitsfotografie Tipps: Orangefarbener VW-Bus als Hochzeitsauto mit Blumenschmuck

 

Von Bedeutung sind auch Fragen nach heiklen Familiensituationen: Nicht selten hat ein Elternteil der Brautleute einen neuen Partner. Hier wird es bei Gruppenbildern und Familienfotos schon mal diffizil. Klären Sie sowas bitte unbedingt vorher!

Auch soll es Pfarrer geben, die mit Fotografen nicht die beste Erfahrung gemacht haben. Hier hilft aber ein Vorabgespräch mit dem Pfarrer, und sei es nur telefonisch. Dabei ist es wichtig zu erfahren, ob Sie sich während der Zeremonie im Altarraum aufhalten dürfen. Sie müssen ihm erklären, dass Sie gelegentlich die Position wechseln müssen oder auch beim Kuss oder der Ring-Übergabe etwas präsenter sein wollen.

Hochzeitsfotografie Tipps: ein Foto der Ringübergabe

Erklären Sie ihm aber auch, dass Sie ohne Blitz fotografieren werden. Hierzu folgt später noch mehr, aber so viel vorab: Blitzen in der Kirche ist ein NoGo. Wir fotografieren digital, das bedeutet, dass auch mal 3-4 Bilder in Serie geschossen werden. Das Blitzlichtgewitter überlassen wir lieber dem Paparazzo. Wir bereiten uns lieber mit lichtempfindlicher Ausrüstung auf die Kirche oder das Standesamt vor.

Ebenfalls unterlassen werden sollte das Fotografieren durch Gäste während der Zeremonie: Ein Handybild mit ausgestrecktem Arm im Sitzen kann man niemandem verbieten, aber es gibt tatsächlich Gäste, die dann mit der Pocketkamera nach vorn treten. Sprechen Sie auch darauf das Brautpaar an, es kann in einer kurzen Ansprache oder schon in der Einladung darauf und auf den Fotografen hinweisen.

Der Punkt „Brautleute-Shooting“ in der Checkliste wird separat behandelt. Er ist einer der zentralen Bereiche an diesem wichtigen Tag. Hier besprechen Sie mit dem Paar Wünsche nach Örtlichkeiten, Situationen und ganz wichtig: den Zeitansatz.

Unterschätzen Sie nicht den Zeitbedarf für 4-5 Setups: Für ca. 30 Minuten reine Fotozeit können Sie gut und gerne nochmal 30 Minuten für die restlichen Aktivitäten rechnen (An- und Abfahrt / Fußweg, Begutachten der Bilder, Ideen-Findung, Umsetzung, Korrekturen etc.)

Hochzeitsfotografie Tipps: Der Fotograf und das Brautpaar beim Brautleute-Shooting vor einem Holzhaus

 

Überraschungen am Hochzeitstag sind für das Brautpaar gedacht. Als Fotograf möchten Sie diese nach Möglichkeit vorher kennen, das betrifft beispielsweise regionale Bräuche oder auch Einlagen der Gäste. Lassen Sie sich die Telefonnummern der Geschwister oder Trauzeugen geben oder bitten Sie diese um Rückruf (bei Datenschutzbedenken). Ziehen Sie die Beteiligten ins Vertrauen und finden Sie heraus, was das Paar überrascht und nicht Sie!

Auch die Vorbereitung auf die wichtigsten Gäste ist hilfreich: Bitten Sie das Brautpaar um Portraits der wichtigsten Gäste, z.B. der Eltern, der Geschwister oder der Trauzeugen. Sehen Sie sich diese Bilder bereits eine Woche vor dem Termin regelmäßig an. Sie erkennen die Personen bereits früh am Hochzeitstag und können sie somit entsprechend in Bildern festhalten.

Wenn Sie ein flottes Tempo bei der Bildbearbeitung an den Tag legen, können Sie Ihr Brautpaar schon am nächsten Tag mit einem kleinen „Best-of“ der Hochzeitsbilder überraschen.

 

Hochzeitsfotos Kolleltion

 

Erkundigen Sie sich bei Online-Galerie-Anbietern nach geeigneten Speicher- und Präsentationsmöglichkeiten – für die Gäste und das Paar getrennt. Richten Sie vor der Hochzeit eine Galerie ein, lassen Sie den langen Link bei http://bit.ly sinnvoll kürzen, und drucken Sie für wenig Geld Visitenkarten mit diesem speziellen Link. Diese Karten können Sie dann auf den Tischen auslegen und gleichzeitig noch Ihre Kontaktdaten hinzufügen. So haben Sie Service und Werbung in einem!

Nachdem Sie mit dem Brautpaar alles Wichtige geklärt haben, notieren Sie die Abläufe nochmals in einer Tabelle. Diese haben Sie am Hochzeitstag zur Hand oder Sie synchronisieren sie z.B. mit einem Cloud-Notizendienst auf Ihrem Smartphone. Sollten Sie eine Lesebrille benötigen, so nehmen Sie eine erkennbare Schriftgröße, das erleichtert ungemein den schnellen Blick auf den Zettel ohne das Spekulier-Eisen hervorkramen zu müssen.

Hochzeitsfotografie Tipps: Zeitplan einer Hochzeit

 

Hochzeitsfotografie-Tipps zur Foto-Ausrüstung

Zur Fotoausrüstung eines Hochzeitsfotografen könnte man sicher ein ganzes Buch schreiben, ich möchte hier nur einige wenige, für mich essentielle, Tipps geben.

1) Arbeiten Sie mit möglichst lichtstarker Ausrüstung sowohl bei der Kamera als auch bei den Objektiven (siehe auch Fotografieren in der Kirche im Teil 3)
Eine hohe Lichtempfindlichkeit bei geringem Rauschen ermöglicht Ihnen Tageslichtaufnahmen, die i.d.R. weicheres und natürlicheres Licht bedeuten. Außerdem vermeiden Sie Mischlicht-Situationen, die Sie hinterher am Rechner ausgleichen müssen.

Sollten Sie beides nicht haben, erkundigen Sie sich im Netz oder vor Ort nach Möglichkeiten des Ausleihens. Viele Fotogeschäfte bieten für eine Wochenendpauschale zu erschwinglichen Preisen professionelles Equipment, das Sie so nebenher gleich mal testen und ggf. auf Ihre Wunschliste setzen können.
Beachten Sie dabei aber auch die Einarbeitungszeit, machen Sie sich unbedingt mit dem Gerät vertraut.

 

Kamera Objektive Hochzeitsfotograf

 

2) Seien Sie auf Ausfälle gefasst! Das bedeutet nicht nur, eine zweite Kamera für den Fall der Fälle zu haben. Sie sind dann auch in Situationen gerüstet, in denen Sie möglicherweise schnell die Brennweiten wechseln müssen. Mit einem zweiten Body können Sie eine lange und eine kurze Brennweite einsetzen und müssen nur die andere Kamera zur Hand nehmen. Auch hier ist es ratsam, sich ggf. die zweite Kamera auszuleihen.

3) Denken Sie an genügend Akkus und Speicherkarten. Nehmen Sie lieber mehrere „kleine“ Speicherkarten als eine große: Ereilt Sie ein Defekt bei einer großen Speicherkarte, so sind alle darauf befindlichen Bilder in Gefahr. Statt einer 64 GByte-Karte empfehle ich vier 16 GByte-Karten.
Sollte Ihre Kamera zwei Kartenslots haben, dann stellen Sie die Kamera so ein, dass die Bilder auf beiden Karten gespeichert werden. Die größere der Karten lassen Sie permanent in der Kamera, die kleineren wechseln Sie am Tag wenn sie voll sind.

4) Finden Sie die Balance zwischen einer Equipment-Schlacht und Zen-Minimalismus. Es braucht seine Zeit um herauszufinden, was man wirklich mitschleppen muss. Oft ist weniger mehr: Ein 24-105/4 Zoom kann in der Gesamtschau unter Umständen bessere Dienste leisten als eine Kombination aus schweren 24-70/2.8 und 70-200/2.8 Lichtriesen. Sie können schneller und flexibler reagieren, tragen weniger Gewicht herum und dies kann den Verlust einer Blende leicht kompensieren. Stecken Sie stattdessen noch eine leichte Festbrennweite, z.B. ein 85/1.8 in Ihre Fototasche.

 

Artikel Hochzeitsfotografie - ein Haufen Kameras

 

5) Investieren Sie in sinnvolles Zubehör. Dazu gehört für mich ein gutes Tragesystem. Ich habe mehrere Hochzeiten mit zwei Kameras fotografiert und hatte schon am Nachmittag Rückenschmerzen. Egal ob Sling-Gurt oder sonstige Schultersysteme, ich war nicht glücklich: Schlechte Gewichtsverteilung und baumelnde Ausrüstung haben mich bei meinen Bewegungen extrem eingeschränkt. Bei einem Photokina-Besuch bin ich dann über den Hüftgurt SpiderPro gestolpert (spiderholster.com). Anfangs war ich skeptisch, doch bei nach einer weiteren Hochzeit mit Schultergurten und baumelnden Kameras beschloss ich, diesen zu testen.

Ich bin absolut begeistert: Ohne Belastung für den Rücken trage ich an diesem Gurt gleichzeitig 2 schwere DSLRs (Canon 5D III und 1Dx) mit insgesamt 4 Objektiven und 1-2 Blitzen ohne Probleme über mehrere Stunden. Zwar wächst man damit etwas in die Breite, aber das Gewicht sitzt auf den Hüften, die Kameras sind griffbereit und sicher in den Halterungen und liegen eng am Körper an. Beim Sitzen, Knien oder auch Liegen baumelt nichts herum (ich bekomme durch diese Empfehlung übrigens keinerlei Vorteile bei der Firma).

 

Mit unseren Hochzeitsfotografie Tipps sind Sie nun für´s Erste für die Vorbereitungen auf Ihren Einsatz als Hochzeitsfotograf gerüstet. Seien Sie jetzt schon gespannt auf die Fortsetzung unsere Serie „Hochzeitsfotografie„. In den Beiträgen erfahren Sie mehr zu den Themen Hochzeitsfotografie in Innenräumen, Hochzeitsfotografie draußen und zur Hochzeits-Reportage. Zudem erhalten Sie wertvolle Tipps für die Bearbeitung Ihrer Hochzeitsfotos.

 

 

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