Bildbearbeitung mit Gimp (Teil 1): zuschneiden, kleinrechnen und Horizont ausrichten

7 Minuten Ø Lesezeit

Schon seit 1998 gibt es das kostenlose Bildprogramm Gimp für Mac- und Windows-Rechner. In unserer Serie lesen Sie, wie Sie Ihre Digitalfotos mit Gimp aufpolieren. In dieser Folge geht es ums Zuschneiden, Kleinrechnen und um schiefen Horizont. Wir verwenden hier die Versionen Gimp 2.9.3 und 2.8.16 für Windows – bitte beachten Sie jedoch, dass immer wieder neue Gimp-Varianten herauskommen. Abweichungen sind daher möglich.

 

Gimp Ansicht Dashboard

Nach der Installation erscheint Gimp eventuell zunächst mit verstreuten Fenstern und Bedienfeldern. Diese unübersichtliche Darstellung lässt sich jedoch abschalten.

 

Verschaffen Sie sich einen Überblick über das Bildbearbeitungsprogramm Gimp

Die Bedienung des Gratis-Programms Gimp unterscheidet sich von vielen gängigen Programmen. Womöglich erscheint Gimp bei Ihnen als unübersichtlicher Verhau aus vielen lose verstreuten Fenstern und Bedienfeldern. Das lässt sich aber schnell aufräumen: Wählen Sie „Fenster, Einzelfenster-Modus“. Jetzt sehen Sie Gimp als kompaktes Programmfenster, an den Rändern erscheinen Bedienfelder wie Werkzeugleiste oder Ebenen.

 

Hier die wichtigsten Tipps für eine Gimp-Programm-Oberfläche genau nach Ihrem Bedarf:

• Sie wollen bestimmte Bedienfelder anzeigen oder von der Programmoberfläche verbannen, zum Beispiel die „Werkzeugeinstellungen“. Das erledigen Sie übersichtlich mit dem
Menü „Fenster, Andockbare Dialoge“.

• Alle Menübefehle erhalten Sie auch, wenn Sie einfach mit der rechten Maustaste ins Foto klicken.

• Gimp zeigt zunächst Lineale und einen gelbgestrichelten Rahmen um Ihr Bild herum. Um auf beides generell zu verzichten, wählen Sie „Bearbeiten, Einstellungen“ und dort den
Bereich „Bildfenster/Darstellung“. Schalten Sie die Optionen „Lineale anzeigen“ und „Ebenenrahmen anzeigen“ ab.

• Je nach Gimp-Version Sie die Programmoberfläche von dunkel auf hell um – oder umgekehrt. Dazu wählen Sie wieder „Bearbeiten, Einstellungen“ und gehen in den Abschnitt „Thema“. Wählen Sie hier unterschiedliche „Themen“ an, also unterschiedliche Darstellungsweisen für Ihr Programm.

• Um ein neues Bild zu öffnen, ziehen Sie es einfach aus dem Windows-Explorer oder aus einer anderen Dateiverwaltung direkt auf den Gimp-Werkzeugkasten.

 

Gimp Einzelfenster-Modus

Hier haben wir Gimp auf den Einzelfenster-Modus umgestellt. Diese Funktion erreichen Sie ebenso wie alle anderen Menü-Befehle auch nach Rechtsklick ins Bild.

 

Schluss mit schiefen Horizonten

Selbst wenn der Horizont nur ein wenig schief steht – die Bildwirkung leidet sofort. Korrigieren Sie schiefen Horizont darum mit Gimp. Es ist ganz einfach: Schalten Sie im Werkzeugkasten das „Drehen“-Werkzeug ein (oder wählen Sie „Werkzeuge, Transformationen, Drehen“). Jetzt brauchen Sie noch das Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ – falls Sie es noch nicht sehen, klicken Sie doppelt auf das „Drehen“-Werkzeug in der Werkzeugleiste oder wählen Sie „Fenster, Andockbare Dialoge, Werkzeugeinstellungen“.

Gimp - Bilder drehen

Ziehen Sie mit dem „Drehen“-Werkzeug im Foto, bis Hilfslinien und schiefer Bildhorizont parallel verlaufen.

 

Ändern Sie jetzt diese Vorgaben in den „Werkzeugeinstellungen“:
• Unter der Überschrift „Richtung“ schalten Sie von „Normal“ zu „Korrigierend“ um.
• Unter „Beschneidung“ wechseln Sie zum Menüpunkt „Auf Ergebnis beschneiden“.
• Im Klappmenü „Hilfslinien“ nehmen Sie „Anzahl der Hilfslinien“.
Nun ziehen Sie im Bild. Ziehen Sie so weit, bis der Bildhorizont genau parallel zu den Hilfslinien verläuft, die Gimp jetzt anzeigt.

Gimp blendet außerdem das „Drehen“-Dialogfeld ein. Dort klicken Sie auf „Rotieren“. Nun wird Ihr Foto gedreht, und es erhält einen transparenten Rand, der als dunkles Karo-Muster erscheint. Diesen Rand entfernen Sie mit dem Befehl „Bild, Automatisch zuschneiden“ – fertig.

 

Unsere Tipps zur Horizont-Korrektur:
• Drehen Sie nur ein- oder zweimal, da mit jedem Drehen die Bildqualität weiter zurückgeht.
• Wollen Sie exakt um 90 oder 180 Grad drehen, nehmen Sie die speziellen Befehle aus dem Untermenü „Bild, Transformation“. Dabei bleibt die Bildqualität unverändert.
• Falls keine Hilfslinie parallel zum Horizont verläuft, ziehen Sie in den „Werkzeugeinstellungen“ am Balken unter dem Menüeintrag „Anzahl der Hilfslinien“.

 

Gimp Zuschneiden

Beim Drehen entsteht transparenter Rand. Sie entfernen ihn bequem mit dem Befehl „Automatisch zuschneiden“.

 

Wie Sie Ihre Dateien passend kleinrechnen

Wollen Sie Fotos per E-Mail herumzeigen oder auf eine Webseite stellen, dann sind die Multi-Megapixel-Dateien aus Digitalkameras viel zu groß. Rechnen Sie Ihre Aufnahmen also vor dem Verschicken oder Veröffentlichen klein. In diesem Beispiel rechnen wir eine sehr große Datei auf 800 Pixel Breite um:

1. Wählen Sie „Bild, Bild skalieren“ und stellen Sie die Maßeinheiten im Bereich „Bildgröße“ auf „px“ (also Pixel bzw. Bildpunkte).
2. Gimp meldet für unser Bild zunächst eine „Breite“ von 4.608 Pixeln. Tippen Sie in dieses Feld den neuen Wert 800.
3. Drücken Sie die Eingabetaste; dann berechnet Gimp automatisch auch die neu entstehende Höhe – unser Bild wird 800 x 600 Pixel hoch.
4. Klicken Sie im Dialogfeld unten auf „Skalieren“. Das Bild erscheint nun deutlich kleiner im Programmfenster. Um es in voller Qualität zu sehen, drücken Sie einfach die „1“ auf Ihrer Tastatur. Damit erscheint die Aufnahme in der Zoomstufe 100% bzw. 1:1. So groß sieht man das Foto also je nach Programm auch in E-Mail-Fenstern oder auf Webseiten.
5. Speichern Sie das Ergebnis als neue Datei zum Beispiel im JPG-Dateiformat. Dazu wählen Sie „Datei, Exportieren als“. Stellen Sie das Klappmenü rechts unten auf „JPEG-Bild“ und klicken Sie zum Speichern auf „Exportieren“.

Wohlgemerkt: Kleinrechnen sollten Sie vor allem, wenn Sie das Bild im Internet zeigen. Zum Drucken oder zur Weitergabe an einen Druckdienst rechnen Sie nichts um – verwenden Sie einfach das Original. Sie müssen dann nur die gewünschte Druckgröße angeben.

Wollen Sie nicht nur kleinrechnen, sondern auch überflüssigen Rand entfernen, nutzen Sie zuerst das Zuschneiden-Werkzeug. Mehr dazu im letzten Abschnitt.

 

Gimp Bild skalieren

Der Dialog „Bild skalieren“ zeigt, dass unsere Vorlage zunächst 4.608 x 3.456 Bildpunkte hat, also 16 Megapixel – viel zu viel für E-Mails oder für Webseiten, die nicht automatisch verkleinern.

 

Gimp Höhe Breite ändern

Wir haben als neue „Breite“ 800 Pixel angegeben und die Eingabe-Taste gedrückt. Gimp errechnet automatisch die neue entstehende „Höhe“ von 600 Bildpunkten.

Prüfen Sie Auflösung und Druckgröße

Wir setzen das Bild aus dem letzten Abschnitt noch einmal auf die ursprüngliche Größe von 4.608 x 3.456 Bildpunkte zurück, also auf 16 Megapixel. Wie groß kann man solche Dateien bei guter Qualität drucken? Diese Fragen beantworten Sie mit dem Befehl „Bild, Druckgröße“. Die Kamera hat unser Foto zunächst so formatiert: Es druckt gut 33 Zentimeter breit bei einer Auflösung von 350 Pixel pro Inch, also 350 dpi.

 

350 dpi ist aber ein sehr hoher Wert. Dieses Foto können Sie bei immer noch sehr guter Qualität auch viel breiter drucken. Welche Auflösung entsteht bei einer Druckbreite von 100 Zentimetern? Tippen Sie oben ins Feld „Breite“ einfach 100 Zentimeter und drücken Sie die Eingabetaste. Unten im Dialogfeld meldet Gimp jetzt eine Druckauflösung von 117 dpi. Das reicht oft für einen hochwertigen Druck.

 

Wie groß kann ich jedoch drucken, wenn ich mindestens 180 dpi Auflösung verwenden möchte? Tippen Sie einfach 180 in eines der „Auflösung“-Felder und drücken Sie die Eingabe-Taste. Gimp meldet: Bei 180 dpi ergibt sich eine Druckbreite von 65 Zentimetern.

 

Es ist egal, ob Sie in diesem Dialogfeld mit „OK“ bestätigen oder auf „Abbrechen“ klicken. In diesem Dialog machen Sie sich vor allem schlau – egal, ob Ihre Digitalkamera zwölf oder 50 Megapixel produziert, Sie erkennen hier die möglichen Druckmaße und Auflösungen. Für endgültige Druckmaße geben Sie die Druckgröße dann erst im Drucker-Dialog oder bei der Bestellung beim Druckdienst an.

 

Gimp Druckauflösung

So hat die Kamera das Bild formatiert: Der Dialog „Druckauflösung“ meldet gut 33 Zentimeter Druckbreite bei 350 Pixel pro Inch (also 350 dpi).

 

Gimp Druckmaß Auflösung

Wir testen eine „Breite“ von 100 Zentimetern. Gimp ermittelt für dieses Druckmaß automatisch eine „Auflösung“ von 117 dpi.

 

Gimp Auflösung

Wir tippen 180 als „Auflösung“ ein. Für diese Auflösung meldet Gimp eine mögliche „Breite“ von 65 Zentimetern.

 

Schneiden Sie überflüssigen Rand weg

Die meisten Bilder wirken markanter, wenn Sie überflüssigen Rand wegschneiden und so das Hauptmotiv stärker betonen. Dazu klicken Sie im Gimp-Werkzeugkasten auf das „Zuschneiden“-Werkzeug (oder wählen Sie „Werkzeuge, Transformationen, Zuschneiden“).

Die Sache ist einfach:
1. Ziehen Sie einen Rahmen über dem wichtigen Bildbereich auf. Die Bildzonen außen zeigt Gimp jetzt abgedunkelt.
2. Ziehen Sie an den Rändern des Rahmens, um die Auswahl zu verfeinern.
3. Stimmt der Bildausschnitt? Dann klicken Sie doppelt in die Auswahl, so dass Gimp den Außenbereich entfernt. Alternativ drücken Sie die Eingabe-Taste.
4. Um den kleineren Bildausschnitt möglichst groß zu sehen, wählen Sie noch „Ansicht, Vergrößerung, Bild in Fenster einpassen“.
5. Gefällt Ihnen der Ausschnitt nicht, klicken Sie auf „Bearbeiten, Rückgängig: Bild zuschneiden“.

 

Gimp Zuschneiden

Legen Sie den neuen Bildausschnitt mit dem „Zuschneiden“-Werkzeug fest. Gimp zeigt den Außenbereich abgedunkelt.

 

Während das „Zuschneiden“-Werkzeug eingeschaltet ist, bietet das Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ viele interessante Möglichkeiten. Gimp meldet hier die Größe des Bildausschnitts, ganz nach Wunsch in Pixel- oder Zentimeter-Werten.

 

Geben Sie auch hier feste Seitenverhältnisse vor. Das lohnt sich, wenn Sie das Bild zum Beispiel an einen Druckdienst schicken wollen, der feste Seitenverhältnisse anbietet. Dazu setzen Sie das Klappmenü oben in den „Werkzeugeinstellungen“ auf „Seitenverhältnis“ und schalten das Kontrollkästchen „Fest“ ein. Im Feld darunter bietet Gimp zunächst das Seitenverhältnis „Aktuell“ an. Klicken Sie auf dieses Wort und stellen Sie eigene Seitenverhältnisse ein. Tippen Sie zum Beispiel „16:9“ ein. Sobald Sie am Rahmen im Bild ziehen, steht nur noch dieses Seitenverhältnis zur Verfügung.

 

Ziehen Sie innen in der Auswahl, um den Rahmen bei gleichbleibender Größe zu verschieben. Bewegen Sie den Rahmen auch mit den Pfeiltasten auf Ihrer Tastatur um einen Pixel pro Tastendruck. Nehmen Sie Umschalt-Taste plus Pfeiltasten, wandert der Rahmen flotter durch die Bildfläche – um 25 Pixel pro Tastendruck.

 

Die „Werkzeugeinstellungen“ bieten noch weitere interessante Optionen:
• Sofern Sie mit der „Seitenverhältnis“-Vorgabe arbeiten, finden Sie rechts neben dem Eingabefeld für das Seitenverhältnis zwei kleine Schaltflächen, mit denen Sie zwischen Querformat und Hochformat umschalten.

• Wollen Sie eine bestimmte Pixelgröße aus dem Bild heraustrennen, stellen Sie das Klappmenü auf „Breite“ und tippen dann zum Beispiel 800 ein. So erhalten Sie einen 800 Pixel breiten Bildausschnitt, die Höhe ist beliebig.

• Die Option „Aus der Mitte heraus aufziehen“ erleichtert es Ihnen, das Hauptmotiv in der Bildmitte zu platzieren. Schalten Sie die Option ein, klicken Sie aufs Hauptmotiv und ziehen Sie nach außen – Gimp legt Bildfläche gleichmäßig in alle Richtungen rings um das Hauptmotiv an.

• Das Klappmenü weiter unten blendet verschiedene Hilfslinien ein, mit denen ein besonders harmonischer Bildaufbau gelingt, zum Beispiel mit dem „Goldenen Schnitt“ oder mit der „Drittelregel“ (mehr zu diesen Gestaltungsprinzipien allgemein lesen Sie hier https://www.myposter.de/magazin/goldener-schnitt-fotografie/).

• Schalten Sie „Hervorheben“ ab, dunkelt Gimp den Außenbereich nicht ab.

• Klicken Sie auf „Automatisch schrumpfen“, wenn Gimp automatisch das Hauptmotiv auswählen soll. Das funktioniert aber höchstens, wenn sich das Hauptmotiv sehr gut vom Hintergrund abhebt. Dabei berücksichtigt Gimp zunächst nur die aktuelle Montage-Ebene. Soll Gimp das Gesamtbild mit allen sichtbaren Ebenen einbeziehen, klicken Sie noch auf „Vereinigung mitschrumpfen“.

 

 

Gimp Bild zuschneiden

In den „Werkzeugeinstellungen“ (links) wurde das „Zuschneiden“-Werkzeug auf ein 3:2-Hochformat festgelegt. Außerdem zeigt Gimp hier Hilfslinien nach der Drittelregel.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren dieser Tipps!

Das 2. Gimp-Tutorial erscheint in wenigen Wochen. Darin erfahren Sie, wie Sie Kontrast und Farbe Ihrer Aufnahmen korrigieren können.