Bildbearbeitung mit Gimp (Teil 2): Kontrast und Farbe korrigieren

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Aufpoliert: Verbessern Sie Kontrast und Farben Ihrer Fotos mit Gimp

Zu hell, zu dunkel oder zu blass? Das korrigieren Sie leicht am Computer mit dem Gratisprogramm Gimp.

Nicht alle Bilder kommen gleich perfekt aus der Kamera: Manchmal versagt die Belichtungsautomatik, und sehr kontrastreiche Szenen lassen sich gar nicht auf Anhieb perfekt einfangen – häufig erscheinen Personen in heller Landschaft zu dunkel. Das macht aber nichts: Wir zeigen, wie Sie Ihre Aufnahmen mit dem Gratisprogramm Gimp für Windows oder Mac perfekt aufpolieren. Wir verwenden hier die Versionen Gimp 2.9.3 und 2.8.16 für Windows – beachten Sie jedoch, dass immer wieder neue Gimp-Varianten herauskommen, Abweichungen sind also möglich.

 

Wenn Sie mit Ihrer Kamera JPG-Dateien aufzeichnen, sollten Sie Bildstile wie „Lebhaft“ oder „Starker Kontrast“ vermeiden. Die Ergebnisse sehen zwar auf Anhieb frisch und knackig aus, lassen sich aber später nicht mehr so gut korrigieren. Verwenden Sie Stile wie „Natürlich“ mit Neutralwerten für Kontrast und Sättigung. Dann frischen Sie die Ergebnisse am Computer nach Maß auf.

 

Histogramm in GIMP (Vorher)

Im „Histogramm“-Bedienfeld sehen Sie, dass die Aufnahme deutlich unterbelichtet ist: Rechts im Diagramm gibt es keinerlei Ausschläge, die hellere Bildpunkte anzeigen.

Nutzen Sie das „Histogramm-Bedienfeld“

Ihr Bild sollte das mögliche Helligkeitsspektrum von Tonwert 0 (tiefes Schwarz) bis 255 (reines Weiß) ganz ausnutzen – nur dann wirkt es brillant und kontraststark. Lassen Sie sich darum dauerhaft ein Histogramm anzeigen, dazu wählen Sie „Fenster, Andockbare Dialoge, Histogramm“.
Im Beispielbild oben erkennen Sie bereits, wie das Histogramm die Tonwerte im Bild darstellt: Die Aufnahme ist ganz klar unterbelichtet, also zu dunkel. Und darum erscheinen im rechten Teil des Histogramms – im Bereich für hellere Bildpunkte – keine Ausschläge mehr. Sie erkennen daran, dass Sie die mittleren Tonwerte unbedingt weiter aufhellen sollten.

Ganz links außen zeigt das Histogramm ebenfalls keine Balken. Es gibt also auch keinerlei sehr dunklen Bildpunkte, das Foto wirkt dann zwangsläufig etwas blass und weniger brillant. Gut zu wissen auch:

  • Stellen Sie das „Kanal“-Menü oben links im „Histogramm“-Bedienfeld von „Wert“ auf „RGB“ um. Sie erkennen dann die einzelnen Anteile der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Im Beispielbild unten wird die Blau-Dominanz in hellen Bildpartien deutlich.
  • Direkt unter der Grafik im „Histogramm“ erscheint der Wert „Durchschnitt“, also die durchschnittliche Helligkeit: Das Ausgangsbild (oben) hat den Durchschnittswert 110 – bei einer Skala von 0 bis 255 also etwas auf der dunklen Seite; die korrigierte Fassung (unten) wurde deutlich aufgehellt und hat darum nun den Mittelwert 139.

 

Histogramm in GIMP (Nachher)

Wir haben das Bild korrigiert und das „Histogramm“-Bedienfeld auf „RGB“ umgestellt. Die Risse im Diagramm sind nach einer Korrektur normal und stören meist nicht.

Die wichtigsten Funktionen für bessere Kontraste

Alle wichtigen Kontrastkorrektur-Funktionen bietet Gimp direkt im Hauptmenü „Farben“. Den Befehl „Helligkeit/Kontrast“ sollten Sie dabei vermeiden – er arbeitet viel zu grob. Wählen Sie stattdessen „Farben, Werte“.
Dieses Dialogfeld zeigt wieder ein Histogramm, das bei unserem Beispielbild rechts wieder völlig leer ist. Um das Foto zunächst aufzuhellen, ziehen Sie das weiße Dreieck von rechts nach innen bis zum Beginn der ersten schwarzen Balken – in unserem Fall bis zum Wert 150.

 

Werte Tab in GIMP

Der „Werte“-Befehl hellt das Bild deutlich auf. Dabei zeigt das „Histogramm“-Bedienfeld Vorher- und Nachher-Zustand gleichzeitig an.

 

Das bedeutet: Alle Tonwerte zwischen 150 und 254 hebt Gimp nun auf reines Weiß an, das betrifft also hellere bis sehr helle Bildpunkte. Gimp hebt Tonwerte unter 150 ebenfalls mit an. So bringen Sie reines Weiß ins Foto, Sie steigern den Tonwertumfang, machen Ihr Bild kontrastreicher und heller.
Tatsächlich erscheinen ja auch ganz links keine schwarzen Balken im Histogramm. Ziehen Sie also das schwarze Dreieck von links nach innen bis zu den ersten schwarzen Ausschlägen, hier bis zum Wert 20. Alle Bildpunkte mit den (sehr dunklen) Helligkeiten von 0 bis 20 sinken also auf 0, das heißt auf reines Schwarz. Weitere Helligkeiten oberhalb von 20 sinken passend mit ab. Sie erweitern den Tonwertumfang, indem Sie neue dunklere Bildpunkte erzeugen – das Foto wirkt so dunkler und abermals kontrastreicher.
Eventuell erscheint Ihr Bild nun zu hell oder zu dunkel. Für den allgemeinen Helligkeitseindruck ziehen Sie jetzt noch am mittleren, grauen Dreieck. So hellen Sie auf oder Sie dunkeln ab, ohne dass Sie die zuvor definierten hellsten oder dunkelsten Bildpunkte noch einmal verändern.
Hier noch ein paar Tipps zum Befehl „Werte“:

  • Klicken Sie im Dialogfeld auf „Automatisch“, um die oben besprochene Tonwertkorrektur mit einem einzigen Mausklick zu erledigen. Anschließend können Sie die Korrektur im Dialogfeld allerdings nicht mehr abschwächen, sondern höchstens noch verstärken.
  • Während das Dialogfeld geöffnet ist, achten Sie einmal auf das „Histogramm“-Bedienfeld. Es zeigt Vorher- und Nachherwerte in zwei überlagerten Darstellungen. Dabei sehen Sie Risse im Nachher-Histogramm – das ist ganz normal und stört meist nicht.
  • Speichern Sie nützliche Einstellungen, um sie auf weitere Bilder einer Serie anzuwenden. Dazu klicken Sie oben im „Werte“-Bedienfeld auf das Plus-Zeichen.

 

Tab-Anzeige der wichtigsten Kurven in GIMP

Wir haben vom „Werte“- zum „Kurven“-Dialog umgeschaltet.Wir ziehen die Linie weit links noch nach unten, um dunklere Bildpunkte noch dunkler zu zeigen.

Kurven-Dialog

Das „Werte“-Dialogfeld bietet Ihnen nur drei Anfasspunkte – für dunkelste, mittlere und hellste Helligkeitswerte. Wollen Sie noch feiner korrigieren, klicken Sie im „Werte“-Dialog unten auf die Schaltfläche „Diese Einstellungen als Kurven bearbeiten“. Sie landen dann im „Kurven“-Dialog. Dort ändern Sie einzelne Helligkeiten noch genauer durch Ziehen an einer Linie. Im Beispiel unten senken wir zum Beispiel dunklere Bildpunkte noch einmal ab; dazu ziehen wir die Linie weit links – im Bereich für die dunkleren Helligkeiten – noch etwas nach unten.
Sie erreichen diesen „Kurven“-Dialog auch direkt im Hauptmenü: Wählen Sie einfach „Farben, Kurven“. Die Funktion ermöglicht prinzipiell die gleichen Korrekturen wie der „Werte“-Befehl. Sie erlaubt aber wegen der beliebigen Zahl von Anfasspunkten auf der Linie mehr Feinsteuerung.

 

Untermenü Automatik-Befehle in GIMP

Das Untermenü „Farben, Automatisch“ bietet sechs verschiedene Automatik-Korrekturen. Die Bedienfelder „Journal“ und „Histogramm“ helfen bei der Beurteilung der Ergebnisse.

Schnelle Korrektur mit Automatik

Sie müssen nicht unbedingt mit Reglern und Diagrammen tüfteln, um Kontrast und Farben auf Vordermann zu bringen – testen Sie einfach die 1-Klick-Automatiken. Diese Befehle holen nicht unbedingt das Optimum aus Ihren Aufnahmen heraus: Manche Funktionen übertreiben die Korrektur, andere bewirken fast gar nichts, je nach Aufnahme. Ein Test lohnt sich jedoch immer. Manche Funktionen ändern nur den Kontrast und lassen die Farbstimmung unberührt. Andere Befehle gehen auch oder nur an die Farben ran.
Die Automatik-Korrekturen wirken vor allem bei Fotos, die deutlich zu dunkel, zu hell oder farbstichig sind. Hat Ihr Bild bereits einen sehr hohen Kontrast mit dem kompletten Tonwertspektrum von 0 bis 255, dann ändern die Automatik-Befehle höchstens noch die Farben, aber nicht den Kontrast.

 

Ergebnisvergleich der Automatikfunktion in GIMP

Links oben die flaue Vorlage, daneben das Automatik-Ergebnis per „Abgleichen“, rechts oben „Weißabgleich“. Untere Reihe von links: „Farbverbesserung“, „Kontrastspreizung“ und „HSV strecken“ (hier fast identisch mit „Normalisieren“).

 

Testen Sie also einfach diese Funktionen aus dem Untermenü „Farben, Automatisch“:

  • „Abgleichen“: Dieser Befehl ändert Kontraste wie auch Farben besonders dramatisch. Er kann auch Farbstiche automatisch beheben.
  • Per „Weißabgleich“ verbessern Sie ebenfalls den Kontrast wie auch die Farbstimmung, ein Farbstich wird ausgeglichen. Die Funktion ändert Ihr Bild aber nicht so stark wie das „Abgleichen“. Bei allgemein flauen Bildern testen Sie diesen Befehl zuerst. Ähnlich wirkt der Klick auf „Automatisch“ im „Werte“-Dialog (s. oben).
  • Der Befehl „Farbverbesserung“ erzeugt deutlich sattere Farben, übertreibt aber meist. Dagegen ändern sich Farbstiche, Helligkeit und Kontrast kaum. Nutzen Sie die Funktion, wenn Ihr Bild zu farbschwach erscheint, zum Beispiel in Aufnahmen bei diesigem Wetter.
  • „Kontrastspreizung“ verstärkt vor allem den Kontrast, ändert aber eventuell auch die Farbstimmung geringfügig.
  • „HSV strecken“ wirkt sich ebenfalls besonders auf die Kontraste aus. Es verändert Ihre Aufnahmen weniger deutlich als „Kontrastspreizung“, weil es die Farben noch besser schützt. Testen Sie diese letzten beiden Funktionen, wenn Sie nur den Kontrast aufbessern und die Farbstimmung nicht ändern wollen.
  • Das „Normalisieren“ hebt ebenfalls die Kontraste leicht an und lässt die Farben unverändert.

Unsere Tipps zu den Automatiken:

  • Verfolgen Sie beim Test der „Automatisch“-Befehle immer, was sich im „Histogramm“-Bedienfeld verändert. Stellen Sie es am besten auf „RGB“ (s. oben).
  • Einige „Automatisch“-Funktionen eignen sich nur für übliche RGB-Farbbilder, nicht für Dateien im Modus „Graustufen“ oder „Indiziert“. Gimp nennt den aktuellen Farbmodus oben in der Titelzeile.
Pipetten-Funktion in GIMP

Mit den Pipetten aus dem „Werte“-Dialog legen Sie fest, welche Tonwerte im Originalbild reinweiß, neutralgrau und tiefschwarz erscheinen sollen. Hier klicken wir mit der „Grau-Punkt“-Pipette auf den Bootsrumpf, um ihn neutralgrau zu zeigen.

Halb-Automatik mit Pipetten

Der Befehl „Farben, Werte“ bietet Ihnen auch die interessanten Pipetten, mit denen Sie einfach ins Bild klicken. So wenden Sie eine typische „Werte“-Korrektur an, Sie machen Ihr Bild also kontrastreicher. Wir besprechen die Funktion mit dem flauen, zu dunklen Bild eines Segelboots. Es soll zunächst aufgehellt werden:

  1. Klicken Sie unten rechts im „Werte“-Dialog auf die weiße Pipette „Weißpunkt wählen“. Dann klicken Sie auf eine helle Stelle im Foto, die reinweiß erscheinen soll. Wir klicken hier auf einen weißen Bereich des Segels. Gimp hebt den gewählten Helligkeitswert im Gesamtbild auf reines Weiß und hebt ähnlich helle Bildpunkte mit an. Die Aufnahme erscheint sofort deutlich heller und brillanter.
  2. Unser Schnappschuss wirkt etwas blaustichig. Klicken Sie unten rechts im „Werte“-Dialog auf die graue Pipette „Grau-Punkt wählen“. Dann klicken Sie auf eine Bildstelle, die neutralgrau erscheinen sollte. Wir klicken hier auf den Bootsrumpf im Vordergrund – das Foto erscheint sofort insgesamt etwas rötlicher – die Gegenfarbe zu Blau.
  3. Bei zu blassen Fotos verwenden Sie auch die schwarze Pipette „Schwarz-Punkt wählen“. Klicken Sie auf einen Punkt, der schwarz erscheinen sollte. So machen Sie Ihr Foto dunkler und kontrastreicher.

Unsere Tipps zu den Pipetten:

  • Wenn beim ersten Klick ins Bild kein schönes Zwischenergebnis entsteht, klicken Sie einfach auf eine weitere Stelle.
  • Passt das Pipetten-Ergebnis noch nicht vollständig, ziehen Sie oben im Dialogfeld am grauen Dreieck.
Darstellung Bildregionen von Foto (vorher)

Die Personen sind zu dunkel, die Umgebung ist dagegen richtig belichtet. Hier haben wir bereits die Ebene dupliziert.

Korrigieren einzelner Bildregionen

Oft will man nur einzelne Bildzonen korrigieren. Ein typisches Beispiel bei Urlaubsfotos: Die Umgebung hat die richtige Helligkeit, doch die Personen im Vordergrund erscheinen zu dunkel. Hellen Sie jetzt das gesamte Bild auf, sehen die Menschen zwar gut aus – doch der Hintergrund erscheint viel zu hell. Bearbeiten Sie darum gezielt nur die Personen. Diese Technik ist besonders flexibel:

  1. Falls Sie das „Ebenen“-Bedienfeld noch nicht sehen, wählen Sie jetzt „Fenster, Andockbare Dialoge, Ebenen“.
  2. Der nächste Befehl heißt „Ebene, Ebene duplizieren“. Die Bildwirkung ändert sich nicht.
  3. Hellen Sie das Bild kräftig auf, zum Beispiel mit dem Befehl „Farben, Werte“, wie oben beschrieben. Achten Sie nur darauf, dass die Personen gut herauskommen – auch wenn das Umfeld viel zu hell aussieht.
  4. Nun folgt „Ebenen, Maske, Ebenenmaske hinzufügen“. Im Dialogfeld nehmen Sie die zweite Option „Schwarz (volle Transparenz)“. Das Bild erscheint damit wieder so dunkel wie am Anfang.
  5. Schalten Sie mit der Taste „P“ auf Ihrer Tastatur zum „Pinsel“-Werkzeug. In den Werkzeugeinstellungen nehmen Sie eine große, weiche Werkzeugspitze. Drücken Sie hintereinander „D“ und „X“ für weiße Vordergrundfarbe.
  6. Malen Sie über den Personen. Nur in den übermalten Bereichen zeigt Gimp jetzt die aufgehellte Bildversion – weil Sie hier die Ebenenmaske mit Weiß bearbeiten.

 

Darstellung Bildregionen von Foto (nachher)

Wir haben die obere Ebene deutlich aufgehellt. Dank Ebenenmaske erscheinen im Gesamtbild nur die Urlauber heller, der Hintergrund bleibt dagegen unverändert.

 

Dieses Ergebnis lässt sich hervorragend verfeinern. Einige Tipps:

  • Haben Sie ungewollt Stellen im Hintergrund aufgehellt, die dunkel bleiben sollten? Malen Sie dort mit Schwarz.
  • Sind die Personen schon zu hell? Senken Sie rechts oben im „Ebenen“-Bedienfeld den Wert „Deckkraft“.
  • Sind die Personen noch zu dunkel? Stellen Sie rechts oben im „Ebenen“-Bedienfeld den „Modus“ von „Normal“ auf „Bildschirm“. Nun erscheint das Hauptmotiv erst einmal zu hell, Sie sollten also die „Deckkraft“ senken.

Sind Sie endgültig zufrieden und wollen nichts mehr verändern? Dann wählen Sie „Ebene, Nach unten vereinen“. So wenden Sie die Korrektur bleibend an.

GIMP-Starter Serie in der Übersicht: