Bilder digitalisieren – so machen Sie Ihre Fotos unsterblich

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So kommen Ihre Papierbilder und Dias in den Computer

Bilder digitalisieren
Haben Sie noch Tausende alter Papierbilder oder Dias zu Hause? Diese Schätze sollten Sie schnell digitalisieren, denn mit der Zeit verbleichen sie mehr und mehr. Wir sagen, wie Sie Abzüge und Dias in den Rechner holen – per Scanner, per Kamera oder mit Hilfe eines Dienstleisters.
 
Egal ob Abzüge, Dias oder Negative: Entfernen Sie vor dem Digitalisieren Staub und Flusen so gut wie möglich. Ein Staubpinsel mit Blasebalg sollte also immer bereitliegen, ebenso ein Antistatik-Staubtuch. Papierbilder und Rahmenglas fassen Sie nur mit Baumwollhandschuhen an.
 
Staubpinsel Staubtuch Handschuhe
 
Staubpinsel, Antistatik-Tuch und Baumwollhandschuhe gehören beim Digitalisieren von Papierbildern oder Dias dazu. Foto: Hama
 

Scanner für Papierbilder

Die einfachste Lösung für Papierbilder: Digitalisieren Sie Ihre alten Schätze mit dem eigenen Flachbett-Scanner. Solche Geräte gibt es schon für weniger als 50 Euro, besser sind Varianten ab 100 Euro. Scanner sind auch Teil von Multifunktionsgeräten, die zusätzlich drucken und fotokopieren. Auch große Fotokopierer in Büros, Behörden und Copyshops erzeugen oft gute Farbscans, sie schicken die Bilder per Netzwerk an jeden Arbeitsplatz.
 
Flachbrettscanner

Mit Flachbettscannern digitalisieren Sie Papierbilder. Foto: Canon
 
So gelingen gute Papierscans zu Hause: Das Glas des Scanners sollte völlig flecken- und fusselfrei sein; lesen Sie dazu die Reinigungsempfehlung in der Anleitung. Legen Sie die Bilder möglichst gerade auf die Scanfläche; denn späteres Geraderücken im Bildprogramm kostet nicht nur Zeit, sondern auch etwas Qualität (nur Drehungen um genau 90, 180 oder 270 Grad beeinträchtigen die Bildwirkung gar nicht).
 
Scannen Sie ruhig mehrere Papierabzüge gleichzeitig ein. Dabei entsteht eine einzige Bilddatei, die Sie später am PC leicht in mehrere Bilddateien auftrennen. Dieses Auseinanderdröseln eines Mehrfach-Scans erledigen manche Bildprogramme sogar automatisch, und schiefe Scans werden gleich noch geradegerückt. Dazu wählen Sie in Photoshop Datei, Automatisieren, Fotos freistellen und gerade ausrichten; in Photoshop Elements heißt es Bild, Gescannte Fotos teilen.
 
Bilder aufteilen in Photoshop

Einen Scan mit mehreren Papierabzügen (links) teilt das Programm Photoshop automatisch in Einzelbilder auf, die zudem geradegedreht werden.
 
Die Programme zu den Scannern bieten verschiedene automatische Kontrast- und Farbkorrekturen sowie eine Scharfzeichnung. Brauchen Sie die Bilder für ein wichtiges Projekt, verzichten Sie am besten ganz auf solche Eingriffe. Scannen Sie ohne jede Änderung und bearbeiten Sie erst später ein Duplikat des Scans.
 

Wieviel Auflösung muss sein?

Einstellen müssen Sie jedoch auf jeden Fall eine dpi-Auflösung, also die Bildpunkte pro Zentimeter oder pro Zoll. Dabei gilt: Wollen Sie das Foto später nicht größer drucken, als es momentan ist, reichen 300 oder 400 dpi Auflösung. Ein Beispiel: Ihr Papierabzug misst 15×10 Zentimeter, und Sie wollen auch nicht größer als 15×10 Zentimeter drucken; dann stellen Sie das Scan-Programm auf 300 oder 400 dpi ein. Möchten Sie das Foto dagegen vielleicht 30 Zentimeter breit drucken, geben Sie 600 oder 1200 dpi vor. Bilder mit sehr feinen Strukturen oder winziger Schrift sollten Sie generell mit mindestens 600 dpi scannen.
 
Natürlich könnten Sie bei jedem Bild auch die Höchstauflösung des Geräts vorgeben, zum Beispiel 4800 dpi. Dabei entstehen jedoch riesige Dateien; die belegen nicht nur viel Speicherplatz, sondern kosten auch viel Zeit beim Scannen, bei der Datenübertragung und bei der Bildbearbeitung. Alles Wichtige über Auflösung für Drucke, zum Beispiel für Ihr frisch digitalisiertes Foto auf Leinwand, lesen Sie direkt hier bei myposter.de in unserem Magazin.
 
Manche Scanner bieten noch die Wahl zwischen 24 und 48 Bit Farbtiefe. 24 Bit sind das Übliche und ideal zur Weitergabe und zur Veröffentlichung. Wenn Sie jedoch noch an den Kontrasten feilen wollen und ein 48-Bit-taugliches Bildprogramm haben, zum Beispiel Photoshop CC, dann bieten 48-Bit-Bildern weitaus mehr Korrekturspielraum; wandeln Sie die 48-Bit-Varianten dann erst nach der letzten Korrektur in gängigere 24 Bit um.
 
Durchlichteinheit

Mit einer Durchlichteinheit digitalisiert dieser Flachbettscanner auch Dias und Negative. Foto: Canon
 

Was bringen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit?

Auch Dias und Negative können Sie zuhause scannen. So bieten manche Flachbettscanner, die eigentlich für Papierbilder gedacht sind, eine Durchlichteinheit: Dort legen Sie Dias oder Negative ein und erhalten digitalisierte Versionen Ihrer Aufnahmen. Manchmal gehört die Durchlichteinheit bereits zum Gerät, teils muss man sie auch separat kaufen. Und manche Scanner lassen sich gar nicht mit einer Durchlichteinheit nutzen.
 
Flachbettscanner mit Durchlichteinheit eignen sich, wenn Sie in der Regel Papierbilder erfassen und Dias oder Negative nur gelegentlich verwenden. Denn gegenüber echten Filmscannern haben die Flachbettgeräte mit Durchlichtaufsatz mehrere Nachteile: So ist die Anwendung meist fummelig, die Bildqualität oft geringer, und Sie müssen auf die wichtigen Funktionen gegen Staub und Kratzer verzichten.

Bild schlichter Diascanner

Diascanner gibt es schon für weniger als 100 Euro, hier ein Modell von Rollei. Foto: Rollei
 

Echte Filmscanner für höhere Ansprüche

Wer viele Dias oder Negative digitalisieren möchte, sollte einen echten Filmscanner anschaffen. Diese Geräte bieten nicht nur hohe Auflösung und beste Schärfe, sondern blasen – je nach Modell – auch noch den Staub weg. Gute Filmscanner erfassen mit einer speziellen Durchleuchtung zudem Kratzer, Flusen und Staubkörner auf dem Film; diese Störungen werden anschließend automatisch aus dem Bild gerechnet. So eine Korrektur heißt je nach Technik auch SRD, iSRD oder ICE; sie kostet viel Zeit, lohnt aber immer.

Diascanner von Plustec

Zu den bekanntesten Scanner-Herstellern zählt Plustek, hier der Diascanner OpticFilm 8100. Foto: Plustek
 
Einen Nachteil haben die Filmscanner jedoch: Sie können oft keine Mittelformat-Dias digitalisieren, denn die meisten Filmscanner sind auf das übliche Kleinbild-Format beschränkt. Ein Flachbettscanner mit Durchlichteinheit liest dagegen ohne weiteres auch Mittelformat-Dias oder -Negative ein.
 
Bei den meisten Filmscannern legen Sie den Filmstreifen oder rund vier Dias in eine Schiene, die Sie dann nach und nach durch das Gerät ziehen; manche Scanner ziehen diese Schiene auch automatisch durch. Nur wenige Geräte scannen automatisch komplette Diamagazine ein.
 
Schlichte Diascanner bekommen Sie schon für 30 Euro. Besonders gelobt werden die Top-Scanner von Plustek, Epson und Nikon, sie kosten je nach Modell rund 500 bis 3000 Euro.
 
Diascanner von Reflecta

Das Gerät DigitDia 6000 von Reflecta scannt komplette Diamagazine ein, ohne dass Sie die Dias entnehmen müssen. Foto: Reflecta
 

Spezielle Software holt mehr aus Ihren Vorlagen heraus

Vor allem, wenn Sie Negative oder Dias scannen, kommt es auch auf die richtige Software an. Manchmal liegt sie dem Scanner schon bei. Manchmal kommt der Scanner jedoch nur mit einem schlichten Scan- und Korrekturprogramm – dann sollten Sie die bessere Scansoftware nachkaufen.
Besonders bekannt für Filmverarbeitung sind die Scan-Programme Vuescan und Silverfast. Damit wandeln Sie auch orange maskierte Farbnegative in übliche Farbbilder um. Dazu kommen weitere Funktionen, die bei üblichen Bildprogrammen wie Photoshop oder Picasa deutlich mehr Arbeit machen:
 

  • Spezialisierte Scanprogramme frischen stark verblichene Farben sehr realistisch auf, manchmal sieht man den Effekt schon in der Vorschau. Der Fachbegriff ist ROC (restauration of colors).
  • Oft tritt Filmkorn im Bild deutlich störend hervor. Den Effekt sollte man am besten direkt beim Scannen unterdrücken, die entsprechende Technik heißt GEM (grain equalization and management). Anschließend wirkt das Bild eventuell leicht weichgezeichnet, so dass eine Scharfzeichnung folgen sollte.

 

Fotografieren Sie Ihre Bilder ab

Möchten Sie keinen Scanner kaufen, dann fotografieren Sie Ihre Papierbilder einfach ab. So gut wie beim Scannen werden die Ergebnisse jedoch selten. Typische Probleme beim Abfotografieren: Ungleichmäßiges Licht, Reflektion, Wölbung, verkanteter Winkel.
 
Sie wollen Ihre Papierbilder doch mit der Kamera ablichten? Dann nehmen Sie eine Normalbrennweite oder ein leichtes Teleobjektiv und diejenige Blende, die ideale Ergebnisse liefert (meist etwa Blende 4 bis Blende 8). Platzieren Sie die Kamera genau mittig auf einem Stativ vor oder über dem Bild. Das Licht muss absolut gleichmäßig sein, das Papier darf nicht reflektieren. Ein Polfilter am Objektiv blendet die Spiegelungen eventuell aus.

Bild Diaduplikator von Reflecta

Mit einfachen Kameraaufsätzen können Sie Dias abfotografieren, hier eine Lösung von Reflecta. Foto: Reflecta
 
Um die Abzüge perfekt zu glätten, können Sie eine Glasscheibe darüberlegen; die schluckt jedoch Kontrast und kann Spiegelungen erzeugen; mattes Glas verhindert Spiegelungen, dämpft Farben und Schärfe aber noch stärker. Blitzgeräte oder Lampen richten Sie im 45-Grad-Winkel auf das Papier, um Reflektionen zu vermeiden. Entstehen dabei Farbstiche, sorgen Sie mit einem manuellen Weißabgleich an der Kamera für neutrale Töne.

Bausatz für Bilddigitalisierung

Mit einem Bausatz von Fotonovum.de fotografieren Sie Dias direkt im Projektorschacht. Foto: Fotonovum.de
 
Sie wollen Dias abfotografieren? Kaufen Sie einen entsprechenden Aufsatz, den Sie direkt aufs Kamerobjektiv schrauben – das erfordert in der Regel eine Wechselobjektiv-Kamera, da bei Kompaktkameras meist das Filtergewinde fehlt. Es gibt Aufsätze mit und ohne eingebaute Linse. Auch hier kommt es auf gleichmäßige Durchleuchtung an. Bei allen Lösungen ohne mitgeliefertes Spezialobjektiv brauchen Sie zusätzlich zur Kamera noch ein Makroobjektiv oder ein übliches Objektiv in Verbindung mit einer hochwertigen Nahlinse oder mit einem Makrotubus.
 
Tüftler mit viel Zeit fotografieren auch direkt in den Schacht eines Diaprojektors hinein, der eventuell umgebaut wurde. Weitere Möglichkeiten: Bilder von der Leinwand oder vom Leuchtpult abfotografieren. Und egal, ob Sie Dias oder Papierabzüge ablichten: Möchten Sie höchste Qualität erzielen, fotografieren Sie im Raw-Dateiformat und bearbeiten die Bilder am Computer nach.
 
Spezialist für Digitalbearbeitung

Sie möchten nicht selber arbeiten? Zahlreiche Dienstleister scannen Fotos und Dias für Sie, hier das Unternehmen Digitalspezialist.de. Foto: Digitalspezialist.de
 

Nutzen Sie Dienstleister

Sparen Sie sich doch die Arbeit mit Scanner oder Kamera – lassen Sie Dienstleister für sich arbeiten. Mit einem Suchbegriff wie „Fotos digitalisieren“ finden Sie im Internet schnell Studios, die Ihre Papierbilder, Dias und Negative für Sie scannen; die Fotodateien erhalten Sie dann per DVD, USB-Stick oder Internet zurück.
 
Viele dieser Scan-Firmen liefern hohe Qualität – besser geht es mit eigenen Scannern kaum noch. Die Preise pro Bild unterscheiden sich je nach Unternehmen deutlich; sie hängen auch von der gewünschten Auflösung, von der Menge der Scans und von den Papiergrößen ab. Meist liegt der Preis pro Bild zwischen 15 und 50 Cent, die günstigsten Angebote gibt es ab acht Cent. Versand, Versicherung und Datenträger kosten zusätzlich. In der Regel warten Sie mindestens eine Woche auf die Ergebnisse.
 
Die meisten Anbieter bemühen sich um viel Service, der allerdings teils extra kostet. Diese Möglichkeiten gibt es:

  • Staub und Flusen werden vor dem Scannen weggeblasen.
  • Kontrast, Farben und letzte Flecken werden automatisch per Software korrigiert; manchmal polieren die Anbieter sogar ausgebleichte Uralt-Abzüge auf.
  • Auf Wunsch richtet das Unternehmen alle Hoch- und Querformate korrekt aus, so dass kein Bild auf der Seite liegt oder auf dem Kopf steht.
  • Sie können auch die Rückseite Ihrer Fotos scannen lassen, wenn es dort Notizen oder ein aufgedrucktes Datum gibt.
  • Manche Anbieter verarbeiten komplette Fotoalben, ohne dass Sie die Bilder erst entnehmen.
  • Eine bestimmte Bildreihenfolge wird meist automatisch gewahrt.
  • Auf Wunsch erhalten Sie den Datenträger in doppelter oder dreifacher Ausführung.

 
Aber es gibt auch schwarze Schafe unter den Scan-Diensten: Sie produzieren unansehnliche Digitalbilder und gehen nicht ans Telefon. Schicken Sie also zunächst einen kleinen Test-Auftrag an den Dienstleister Ihrer Wahl, bevor Sie Tausende von Digitalisierungen bestellen; vereinzelt gibt es kostenlose Probescans. Rufen Sie eventuell an und prüfen Sie, ob das Unternehmen gut ansprechbar ist.
 
Brauchen Sie nur einige wenige Scans von Dias oder Papierbildern, können Sie auch zu Studios gehen, die sonst für Verlage und Agenturen arbeiten – es gibt sie in jeder Großstadt. Der Preis pro Bild ist hier viel höher, meist 5 bis 50 Euro; aber dafür können Sie Ihre Wünsche mit einem Fachmann abklären, der Ihre Dias oder Papierbilder anschließend mit allerbestem Gerät einscannt und korrigiert.