Mehr aus Bildern rausholen

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Holen Sie mehr aus Ihren Bildern heraus – die 10 besten Tipps für Bildbearbeiter

Bilder aus der Digitalkamera überzeugen nicht immer – sie wirken manchmal flau, farbstichig oder der Horizont steht schief. Das macht gar nichts: Am Computer verbessern Sie Ihre Aufnahmen unkompliziert mit wenigen Handgriffen, dafür reicht meist ein kostenloses Programm. Machen Sie also das Beste aus Ihren Fotos, wir nennen die zehn wichtigsten Tipps für schnelle Bildkorrekturen am Computer.

1. Schneiden Sie überflüssigen Rand weg

Säbeln Sie überflüssige Zonen am Bildrand weg – so erscheint Ihr Hauptmotiv größer und markanter. Portraits, Blumen und viele andere Motive kommen besser heraus, wenn Sie uninteressante Bildteile einfach abschneiden. Das erledigen Sie in sämtlichen Bildprogrammen und Apps am Handy ganz einfach mit dem Freistellungswerkzeug.

Wahlweise sorgen Sie beim Zuschneiden auch für bestimmte Seitenverhältnisse: Geben Sie in den Einstellungen zum Freistellungswerkzeug zum Beispiel das 3:2-Verhältnis vor, oder schützen Sie das ursprüngliche Seitenverhältnis. Gut zu wissen: Schneiden Sie gleich zu Beginn der Bildbearbeitung den Rand weg, erst dann folgen die weiteren Schritte. So arbeiten Kontrastautomatik und Histogramm (s. unten) tatsächlich nur mit dem wichtigen Bildbereich, der überschüssige Rand wird gar nicht erst berücksichtigt.

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Mit dem Freistellungswerkzeug schneiden wir etwas Himmel weg, das verbleibende Bild wirkt nun markanter. Dabei haben wir hier das 3:2-Seitenverhältnis geschützt.

2. Die Kontrastautomatik – immer einen Versuch wert

Viele Bilder wirken zunächst etwas kontrastarm. Bevor Sie lange mit Kontrastreglern experimentieren, testen Sie einfach die automatische Kontrastkorrektur. Die Kontrastautomatik gibt es praktisch in jedem Bildprogramm, manchmal sogar in mehreren

Varianten: Je nach Befehl verbessern Sie nur den Kontrast oder Sie ändern Kontrast und Farbstimmung gleichzeitig.
Mitunter wirkt die Kontrastautomatik schon zu stark, dann widerrufen Sie halt. Aber die Automatik zeigt auf jeden Fall, wie deutlich sich ein Bild noch aufwerten lässt.

So finden Sie Kontrastautmatiken in verschiedenen Gratisprogrammen (also Freeware):
  • Gimp 2.8.10: Untermenü Farben, Automatisch
  • Picasa 3.9: Allgemeine Optimierungen, Kontrast (automatisch) und Farbe (automatisch)
  • Paint.net 4.0 beta: Korrekturen, Automatisch
  • Windows Fotogalerie 2012: Bearbeiten, Automatisch anpassen und Belichtung
  • XnView MP 0.64: Untermenü Bild, Farbändderung, dann Farbe automatisch einstellen oder Helligkeit automatisch einstellen
  • IrfanView 4.37: Bild, Auto-Korrektur
  • Pixlr.com im Internet-Browser: Im Editor-Bereich Anpassungen, Auto-Tonwertkorrektur
  • Ipiccy.com im Internet-Browser: Schaltfläche Fix Image
  • Snapseed 1.6 für Android- und iOS-Geräte: Automatic-Schaltfläche
Jeweils gleich mehrere Kontrastautomatiken bieten die Photoshop-Kaufprogramme des Herstellers Adobe:
  • Photoshop CC, CS6: Bild-Hauptmenü mit Auto-Farbton, Auto-Kontrast und Auto-Farbe sowie Bild, Korrekturen, Helligkeit/Kontrast mit Automatisch-Schaltfläche
  • Photoshop Elements 12: Überarbeiten-Hauptmenü mit Auto-Farbkorrektur, Auto-Kontrast, Auto-Tonwertkorrektur und Intelligente Auto-Korrektur

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Links sehen Sie das flaue Originalbild, rechts zwei Ergebnisse mit unterschiedlichen Kontrastautomatiken.

3. Der nützliche Blick aufs Histogramm-Bedienfeld

Was stimmt eigentlich nicht mit dem Bild? Fehlt es bei Schatten oder Lichtern? Diese Fragen beantwortet das Histogramm-Bedienfeld, das Sie in den meisten Bildprogrammen finden. In unserem Bildschirmfoto zu diesem Tipp sehen Sie links das

Originalfoto mit dem Histogramm. Sie erkennen hier:
  • Links im Histogramm gibt es keine Ausschläge, also fehlen dem Bild sehr dunkle Bildpunkte.
  • Rechts im Histogramm passiert auch nicht viel, demzufolge fehlen sehr helle Bildpunkte – insgesamt muss dieses Foto flau und kontrastarm wirken.

Eine Aufnahme mit diesen Eigenschaften lässt sich gut automatisch korrigieren. Sie sehen bei den Automatik-Ergebnissen rechts in der Abbildung, dass sich das Histogramm nun weiter ausdehnt. Die dünnen Lücken im Histogramm sind typisch für eine Kontrastkorrektur und stören meist nicht.

Nicht alle Gratisprogramme bieten ein dauerhaft sichtbares Histogramm-Bedienfeld, aber diese Versionen spielen mit:
  • Gimp 2.8.10: Fenster, Andockbare Dialoge, Histogramm
  • Picasa 3.9: Histogramm in Einzelbildbearbeitung dauerhaft sichtbar
  • Windows Fotogalerie 2012: Histogramm sichtbar beim Befehl Bearbeiten, Belichtung anpassen
  • XnView MP 0.64: Ansicht, Histogramm anzeigen
  • Ipiccy.com im Internet-Browser: Histogramm sichtbar beim Levels-Befehl

In allen Photoshop-Ausgaben wählen Sie Fenster, Histogramm.

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Das Histogramm links beim Original zeigt, dass die Vorlage weder Tieftöne noch sehr helle Bildpunkte hat. Rechts daneben zwei unterschiedliche Ergebnisse mit Kontrastautomatiken; hier streckt sich das Histogramm deutlich weiter aus.

4. Bequeme Kontrastkorrektur von Hand

Sie wollen die Kontraste nicht mit einer Automatik steuern, sondern von Hand per Regler? Der bequemste Kontrastregler zeigt ein Histogramm an, wie Sie es schon vom Histogramm-Bedienfeld her kennen. Die Funktion hat in jedem Programm einen anderen Namen. Hier bearbeiten wir ein kontrastarmes Bild im Gratisprogramm Gimp:

  1. Wählen Sie Farben, Werte.
  2. Das Bild hat zuwenig Tieftöne? Ziehen Sie das schwarze Dreieck ganz links unter dem Histogramm nach innen – Ihr Foto erscheint dunkler und kontrastreicher.
  3. Fehlen auch sehr hohe Helligkeitswerte? Ziehen Sie das weiße Dreieck rechts unter dem Histogramm nach innen – der Schnappschuss hellt auf und wirkt kontrastreicher.
  4. Sind Sie mit der Helligkeit insgesamt noch nicht zufrieden? Experimentieren Sie mit dem mittleren, grauen Regler unter dem Histogramm.

Das Histogramm in diesem Dialog ändert sich übrigens nicht, solange Sie nicht auf OK klicken. Wollen Sie ein absolut aktuelles Histogramm für die momentane Reglerstellung sehen, brauchen Sie das Histogramm-Bedienfeld aus Tipp 3.

So finden Sie die Funktion in anderen kostenlosen Programmen:
  • Paint.net 4.0 beta: Korrekturen, Manuelle Anpassung
  • Windows Fotogalerie 2012: Bearbeiten, Feinabstimmung, Belichtung anpassen
  • XnView MP 0.64: Bild, Einstellen, Schwarz/Weißpunkt
  • Pixlr.com im Internet-Browser: Anpassungen, Ebenen
  • Ipiccy.com im Internet-Browser: Levels-Schaltfläche im Bereich Advanced
Für die Photoshop-Ausgaben gilt:

In Photoshop CC, CS6 wählen Sie Bild, Korrekturen, Tonwertkorrektur. In Photoshop Elements 12 heißt der Befehl Überarbeiten, Beleuchtung anpassen, Tonwertkorrektur.

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Der Befehl Werte im Gratisprogramm Gimp erlaubt hier eine bequeme, genaue Kontrastkorrektur. Sie finden die Funktion unter anderen Bezeichnungen auch in anderen Programmen.

5. Kontrast perfekt per Gradationskurve

Die Methode aus Tipp 4 ist schon gut. Wollen Sie Kontrast und Helligkeit noch genauer steuern, nutzen Sie die Gradationskurve – das beliebteste Kontrastwerkzeug der Profis. Einige Anwendungsbeispiele:

  • Ziehen Sie den oberen Bereich der Gradationskurve leicht nach oben. So hellen Sie nur hellere Bildzonen weiter auf, das Foto wirkt lichter. Schatten und extrem helle Stellen ändern sich kaum oder gar nicht, Sie erzeugen also keine Überbelichtung und verlieren auch keine sehr dunklen Bildpunkte.
  • Ziehen Sie den unteren Bereich weiter nach unten, wenn dunklere Bildstellen noch dunkler erscheinen sollen. Diese ersten zwei Änderungen wirken zusammen so wie eine Kontraststeigerung. Wollen Sie dagegen mehr Details in den Bildschatten herausarbeiten, heben Sie die Kurve im unteren Bereich an – dunkle Stellen erscheinen dann heller.
Sie können auch so arbeiten wie mit der Funktion aus Tipp 4:
  • Ziehen Sie das linke Ende der Kurve horizontal nach innen: So erzeugen Sie dunklere Tonwerte als bisher, das Bild wirkt dunkler und kontrastreicher.
  • Ziehen Sie das obere Ende der Kurve horizontal nach innen, entstehen hellere Tonwerte als zuvor; Sie erhalten ein helleres und brillanteres Bild.
Einige, aber nicht alle Programme bieten Ihnen die vielseitige Gradationskurve:
  • Gimp 2.8.10: Farben, Kurven
  • Paint.net 4.0 beta: Korrekturen, Kurven
  • Pixlr.com im Internet-Browser: Anpassungen, Kurven
  • Ipiccy.com im Internet-Browser: Schaltfläche Curves im Advanced-Bereich
  • Photo Editor von dev.macgyver für Android-Handys und -Tablets: Schaltfläche Farbkurven
  • Photoshop CC, CS6: Bild, Korrekturen, Gradationskurven

Mehr-rausholen_5-Gradationskurve

Links erscheint das Original, daneben die bearbeitete Version. Die Gradationskurve aus dem Gratisprogramm Paint.net hellt hier die Mitteltöne auf, also vor allem Teller und Kakao. Gleichzeitig werden die dunkelsten Tonwerte weiter abgesenkt, um den Kontrast zu steigern. Die Absenkung erkennen Sie links unten in der Gradationskurve, die Anhebung der helleren Tonwerte im rechten Bereich der Kurve.

6. Mehr Sättigung, aber ohne Quietschfarben

Oft möchte man das Bild mit gesteigerter Farbsättigung auffrischen, doch Vorsicht: Zwar bieten die meisten Bildprogramme einen Farbsättigung-Regler, aber damit entstehen zu schnell Quietschfarben. So wirkt die gesteigerte Farbsättigung zum Beispiel im Himmel und im Pflanzengrün gut – doch Hauttöne erscheinen gleichzeitig viel zu grell.

Mit zwei verschiedenen Funktionen ändern Sie die Farbsättigung gezielt so, dass Sie nur einige, aber nicht alle Farbtöne anheben:
  • Nehmen Sie den Regler Farbsättigung, aber schränken Sie die Wirkung auf einzelne Farben ein, zum Beispiel nur auf die Blautöne. Diese Möglichkeit gibt es bei vielen Programmen, zum Beispiel bei allen Photoshop-Ausgaben, bei Lightroom, Gimp
  • Verwenden Sie einen Regler, der von vornherein vor allem Blau und Grün steigert, Hauttöne jedoch schützt und Extremwerte generell vermeidet. Dieser Regler heißt in neueren Photoshop- und Lightroom-Versionen Dynamik und in englischen Programmfassungen manchmal Vibrance.
Unter den Gratisprogrammen bietet nur Gimp die entsprechende Funktion, ansonsten brauchen Sie ein Kaufprogramm wie Photoshop oder Photoshop Elements. Beachten Sie auch:
  • Eine hohe Farbsättigung beeindruckt oft am Monitor. Gedruckt auf Papier erscheint sie aber vielleicht matschig unattraktiv.
  • Prüfen Sie Farbstimmung und Helligkeit am besten mit einem Farbprofil für das geplante Druckpapier. Mehr dazu in unserem Beitrag über Farbprofile.

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Gimp und Photoshop Elements verstärken hier die Farbsättigung gezielt nur im Himmelsblau. Andere Farben wie Rot oder Grün bleiben unverändert.

7. Mehr Scharfzeichnung

Digitalfotos sehen mitunter leicht unscharf aus, und eine Scharfzeichnung tut den meisten Fotos gut – sie wirken dann knackiger, plastischer und auch kontrastreicher, die allgemeine Bildqualität steigt deutlich. In praktisch allen Bildprogrammen finden Sie ein Scharfzeichner-Dialogfeld mit einem Stärke-Regler. Ziehen Sie den Wert nicht zu hoch, sonst entstehen unschöne Geisterkonturen und Sie verstärken auch Bildrauschen oder Hautunreinheiten.

Einige Programme bieten beim Scharfzeichnen neben dem Stärke-Regler weitere Einstellmöglichkeiten:
  • Radius-Regler: Steuert, wie weit um eine markante Kontur herum sich die Scharfzeichnung ausbreitet. Senken Sie den Radius-Wert, um Geisterkonturen zu verbannen.
  • Schwellenwert-Regler: Entscheidet, ob das Bildprogramm sämtliche Kontrastzonen oder nur sehr starke Kontraste scharfstellt. Verursacht das Scharfzeichnen bereits Störungen im Himmel oder in Hautflächen, dann heben Sie den Schwellenwert.

Prüfen Sie das Bildergebnis unbedingt in den besonders zuverlässigen Zoomstufen 100 Prozent (1:1) oder 50 Prozent (1:2). Eine starke Scharfzeichnung wirkt in krummen Zoomstufen wie 23,45 Prozent eventuell am Bildschirm entstellend, sieht im Druck aber gut aus.

Oft bieten die Programme sogar mehrere Scharfzeichner-Dialoge. Wir nennen die empfohlenen Scharfzeichner bei Gratisprogrammen:
  • Gimp 2.8.10: Filter, Verbessern, Unscharf maskieren
  • Picasa 3.9: Kreative und nützliche Bildbearbeitung, Scharf stellen
  • Paint.net 4.0 beta: Effekte, Foto, Verschärfen
  • Windows Fotogalerie 2012: Bearbeiten, Feinabstimmung, Detail anpassen
  • XnView MP 0.64: Bild, Filter, Schärfen
  • IrfanView 4.37: Bild, Effekte, Einstellungen/Vorschau, Unsharp Mask
  • Pixlr.com im Internet-Browser: Filter, Unsharp Mask
  • Ipiccy.com im Internet-Browser: Sharpen-Schaltfläche im Basic-Bereich
  • Snapseed 1.6 für Android- und iOS-Geräte: Bereich Details
So geht’s mit den Photoshop-Ausgaben des Herstellers Adobe:
  • Photoshop CC, CS6: Filter, Scharfzeichnungsfilter, Selektiver Scharfzeichner
  • Photoshop Elements 12: Überarbeiten, Schärfe einstellen
  • Lightroom 5.3: Entwickeln-Modul, Details-Bedienfeld

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Links die Vorlage, daneben das Ergebnis: Die Scharfzeichnung im Gratis-Programm Gimp verbessert das Bild wesentlich, der Ausdruck wirkt viel besser.

8. Schärfen Sie nur das Hauptmotiv

Schärfen Sie nur das Hauptmotiv, lassen Sie den Rest unverändert. So betonen Sie das Wichtigste, zum Beispiel ein Gesicht oder eine Blüte; Ihr Foto wirkt plastischer und Sie vermeiden scharfstellungsbedingte Bildstörungen im Hintergrund. Für dieses Verfahren gibt es viele verschiedene Methoen. Wir zeigen einen Weg, der mit zahlreichen Programmen funktioniert, unter anderem mit Photoshop und Photoshop Elements, aber auch mit den kostenlosen Programmen Gimp, Paint.net und (je nach Sicherheitseinstellung) online mit Pixlr.com.

Wir verwenden hier das Gratisprogramm Gimp, bei anderen Programmen brauchen Sie etwas abweichende Menübefehle:
  1. Wählen Sie Auswahl, Alles auswählen, dann folgt Bearbeiten, Kopieren.
  2. Zeichnen Sie das gesamte Bild scharf, hier per Filter, Verbessern, Unscharf maskieren (mehr zum Scharfzeichnen im 7. Tipp).
  3. Jetzt folgt Bearbeiten, Einfügen als, Neue Ebene. Damit landet das nicht scharfgezeichnete Original als neue Ebene über der scharfgezeichneten Variante – das Bild sieht wieder so aus wie zu Anfang.
  4. Wählen Sie Werkzeuge, Malwerkzeug, Radierer. Stellen Sie eine große, weiche Werkzeugspitze ein (Fenster, Andockbare Dialoge, Werkzeugeinstellungen).
  5. Malen Sie über dem Hauptmotiv, hier also über der Blüte. In diesem Bereich entsteht ein Loch in der oberen Originalebene, Sie sehen das Hauptmotiv in der scharfgezeichneten Variante. Als Hintergrund bleibt die nicht scharfgestellte Bildfassung erhalten.
  6. Passt alles? Der letzte Befehl heißt Ebene, Nach unten vereinen.

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Der Radierer von Gimp malt ein Loch über dem Hauptmotiv in der oberen Ebene; so tritt hier die scharfgezeichnete Variante von der unteren Ebene hervor.

9. Perspektive und Horizont

Korrigieren Sie die Geometrie in Ihren Bildern: Kippt der Horizont nur ein bisschen nach links oder rechts, wirkt das Foto bereits viel schlechter – „das Meer läuft aus“, so spotten Betrachter dann. Zudem scheinen Bauwerke oft nach hinten zu kippen – die gefürchteten stürzenden Linien. Je nach Objektiv biegen sich auch noch die Linien am Bildrand unschön durch.

Praktisch jedes Bildprogramm korrigiert schiefe Horizonte sehr unkompliziert. Stürzende oder durchgebogenen Linien korrigieren Sie besonders komfortabel mit diesen Funktionen:
  • Gimp 2.8.10 (gratis): Filter, Verzerren, Objektivfehler
  • Photoshop CC, CS6: Filter, Objektivkorrektur, Register Benutzerdefiniert
  • Photoshop Elements 12: Filter, Kameraverzerrung korrigieren
  • Lightroom 5.3: Entwickeln-Modul, Bedienfeld Objektivkorrekturen, Register Manuell

Innerhalb einer Perspektivkorrektur gegen stürzende Linien können Sie stets auch einen schiefen Horizont ausgleichen. Das sollten Sie also nicht vorab separat erledigen.

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Der Dialog Kameraverzerrung korrigieren in Photoshop Elements bearbeitet schiefen Horizont, stürzende und durchgebogene Linien.

10. Das richtige Dateiformat

Denken Sie schon beim Fotografieren an die spätere Bearbeitung. Wichtig ist vor allem die Wahl des verwendeten Bilddateityps. Zwei Dateitypen stehen zur Wahl:
  • Raw: Diese Dateien mit Endungen wie .cr2, .nef oder .orf (je nach Kamera) konservieren die maximale Bildqualität, hier können Sie später besonders viel Details herauskitzeln. Raw-Dateien kosten viel Speicherplatz, sind aber erste Wahl für Profis.
  • JPEG: Diese Dateien mit der Endung .jpg brauchen viel weniger Speicherplatz und lassen sich in besonders vielen Programmen und Geräten anzeigen. Hier korrigiert die Kamera bereits Farbstimmung (Weißabgleich), Kontrast, Schärfe und Bildrauschen. JPEG-Dateien sehen darum zunächst besser aus als Raw-Varianten, aber Sie haben nicht mehr so viel Korrekturspielraum bei der Nachbearbeitung.
Sofern Sie JPEG-Dateien aufzeichnen, können Sie die Kamera-interne Korrektur einstellen. Ein paar Tipps, wie Sie die Kamera für unterschiedliche Aufgaben einrichten:
  • Sie fotografieren draußen bei Sonnenschein und wollen an den Bildern später nichts mehr ändern? Drehen Sie Kontrast, Farbsättigung und Schärfe in der Kamera hoch oder verwenden Sie einen Bildstil wie Kräftig oder Lebhaft.
  • Sie wollen die JPEG-Datei noch am Computer verfeinern? Bringen Sie Kontrast, Sättigung, Schärfe und Rauschkorrektur auf Neutralstellung oder nutzen Sie einen Bildstil wie Neutral oder Natürlich.

Oft können Sie auch gleichzeitig Raw- und JPEG-Dateien aufnehmen. Dann haben Sie eine bereits Kamera-korrigierte JPEG-Variante und eine hochwertige Raw-Version, die Sie am Computer nachbearbeiten.